Andachten aus dem Kirchspiel

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An dieser Stelle finden Sie künftig eine Andacht für den Monat von einer/einem der Pfarrer*innen unseres Kirchspiels.

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Gebetsliturgie für die tägliche Hausandacht
Andacht für zu Hause II

 

 

Andacht Oktober - Pfarrer Michael Kunze

Liebe Leserinnen und Leser,

Jesus erzählt folgende Geschichte (Lukas 16):
Ein reicher Mann lässt sein Vermögen verwalten. Darum will er sich nicht selbst kümmern. Er hat offensichtlich besseres zu tun. So vertraut er sein Vermögen einem Finanzfachmann an, seinem Verwalter. Der aber betrügt ihn nach Strich und Faden. Er wirtschaftet in die eigene Tasche - so offensichtlich, dass es schließlich sogar der reiche Mann merkt. Es kommt, wie es kommen muss: Der Verwalter wird entlassen.
Noch aber ist diese Nachricht nicht allgemein bekannt. Noch kann der Verwalter handeln, als wäre er noch im Amt. Was tut er? Er lässt die Schuldner seines ehemaligen Arbeitgebers zu sich kommen und erkundigt sich, scheinbar voller Mitgefühl, nach der Höhe der Schulden, die sie ihrem Gläubiger, dem reichen Mann, noch zurückzahlen müssen. Dann bietet er ihnen großzügig an, mit seiner Hilfe Urkundenfälschung zu begehen und die noch zu zahlende Summe zu halbieren.
Warum er das tut? In der Geschichte sagt der Verwalter: „ … damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde.“ Er spekuliert also auf die Dankbarkeit der Schuldner ihm gegenüber. Eine Hand wäscht die andere.
So weit, so schlecht. Aber was will Jesus mit dieser Geschichte sagen? Am Ende heißt es: „Der Herr lobte den ungetreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte.“ Kann das wirklich die Bedeutung dieses Gleichnisses sein? Sollen wir, als Christen, lügen und betrügen, um uns zu bereichern? Sollen wir so unsere Zukunft absichern? Wo bleibt hier die Moral?
Der Punkt ist: Es geht nicht um Moral in diesem Gleichnis. Dass wir sofort in dieser Kategorie denken, sagt viel über uns, aber nichts über den Sinn dieses Gleichnisses. Doch was ist der Sinn?
Hintergrund ist die Botschaft Jesu, die da lautete: „Gott wird sich durchsetzen in dieser Welt. Fangt heute schon an, so zu leben, als wäre diese neue Welt schon da. Und dort wo ich bin, Jesus von Nazareth, da wird diese, unsere Zukunft schon Wirklichkeit – wenn auch nur im Kleinen, wenn auch nur bruchstückhaft. Aber dort, wo ihr Liebe weitergebt, so wie ich, da beginnt schon jetzt etwas Neues.“
Die Botschaft Jesu enthält beides: Die Erwartung einer ganz neuen Wirklichkeit für die nahe Zukunft und reale Veränderungen schon jetzt, in der eigenen Gegenwart, sozusagen als Vorläufer der großen Veränderung. Daraus ergibt sich die Dringlichkeit seiner Verkündigung. Jetzt beginnt das Neue. Der Zug rollt schon. Wer ihn nicht verpassen will, muss jetzt aufspringen. Denn Gottes neue Welt beginnt jetzt.
Diesen entscheidenden Augenblick zu erkennen und entsprechend zu handeln, darum geht es. Und nur in dieser Hinsicht ist der „ungetreue Verwalter“ ein Vorbild: Er sieht was kommt und handelt der neuen Situation entsprechend.
Dieses Gleichnis wendet sich gegen die „normative Kraft des Faktischen“, also gegen die Überzeugung, dass das, was ist, „normal“ und damit auch normativ ist, nur weil es ist und dass die Dinge bleiben, wie sie sind und wir einfach weiter machen können, wie bisher. In diesem Gleichnis sagt Jesus uns:
Es gibt immer andere und neue Möglichkeiten. Für uns als Einzelne und für uns als Kirche. Es geht darum, zu erkennen, welche Veränderungen heute anstehen – und zu handeln, voller Gottvertrauen.
Dieses wünscht Ihnen Ihr Matthias Kunze

Andacht September - Erntedankfest - Pfarrer Eckehard Möller

Ich bin ein Stadtkind. Aus der Innenstadt. Felder und Gärten gab es da nicht. Umso imposanter erschien uns Kindern die Gestaltung des Altarplatzes unserer Annenkirche zum Erntedankfest: Da wurde aus irgendeinem Keller eine Getreidepuppe heraufgeholt und aufgestellt. Jedes Jahr fehlten ein paar Ähren mehr. Zum Schluss erinnere ich mich nur noch an die kläglichen Reste der einst stolzen Puppe.
Zu solchen Puppen wurde das Getreide zusammengebunden und zum Trocknen auf den Feldern aufgestellt. Schließlich konnten es die Bauern hereinholen und in den Tennen auf ihren Höfen ausdreschen. So erklärten es mir meine Eltern. Denn jene jahrhundertealten Gepflogenheiten habe selbst ich schon nicht mehr erlebt bei Verwandtschaftsbesuchen auf dem Land. Aber es klang romantisch. Und ich sang mit Begeisterung die 3. Strophe des Liedes „Im Märzen der Bauer“:
„So geht unter Arbeit das Frühjahr vorbei, / da erntet der Bauer das duftende Heu. / Er mäht das Getreide, / dann drischt er es aus. / Im Winter, da gibt es manch fröhlichen Schmaus.“
1991, kurz nach der Wende, absolvierte ich den ersten Abschnitt meines Vikariats in Cossebaude. Viele Gemeindeglieder dort lebten vom Ertrag ihrer Gärtnereien. Hatte man ihnen ein, zwei Jahre zuvor noch ihre Gemüse förmlich aus der Hand gerissen, so fanden sie auf einmal keine Abnehmer mehr in der Großmarkthalle. Importe aus Holland oder Spanien waren billiger. Bauern und Gärtnerinnen als Ernährer der Bevölkerung – dieses Bild zerbrach auf einmal. Und damit das Selbstverständnis und der Stolz ganzer Bevölkerungsgruppen. Wie sollte die Kirchgemeinde Erntedank feiern, wenn die Früchte der Ernte nutzlos geworden waren?
Viel hat sich seitdem verändert. Auch in unserem Einkaufs- und Essverhalten. Selbst die großen Supermärkte führen selbstverständlich Bio-Produkte. Und der Skandal um die Zustände in der Firma Tönnies hat uns ein weiteres Mal aufgezeigt, dass es nicht weitergehen darf wie bisher.
„Es geht durch unsre Hände, kommt aber her von Gott“ singen wir zum Erntedankfest. Dieser Vers meint nicht nur die Herkunft all unser guten Gaben. Er spricht auch von unserer Verantwortung: Ist uns bewusst, dass jenes, was gerade durch unsere Hände geht, von Gott kommt? Gehen wir ehrfürchtig genug um mir jeder einzelnen Gabe Gottes – so ehrfürchtig, als wäre jede einzelne ein spezielles Geschenk Gottes?
In diesen Wochen wird viel geerntet. Manche ernten sogar in ihren eigenen Gärten oder auf ihren Balkonen. Voll Stolz und Freude über all das, was unter ihrer Pflege gewachsen ist. „Es geht durch unsre Hände“ – und dann gehört der zweite Satzteil unbedingt hinzu: „kommt aber her von Gott“.
Altarplätze in Stadtkirchen sind schon lange nicht mehr üppig mit Erntegaben geschmückt. In meiner Kindheit nicht in der Annenkirche. Heute nicht in der Martin-Luther-Kirche. Dennoch freuen wir uns über alle Gaben, die Menschen bringen, weil sie die beiden Satzteile als untrennbar empfinden. Weil sie Gott aus tiefem Herzen danken wollen.
Über dem Sofa meines Großvaters hing ein Ölgemälde, das mich immer tief beeindruckt hat. Es zeigt Bäuerinnen beim Binden der Garben auf einem Feld. Bald werden sie daraus Puppen aufstellen.
Das Gemälde hängt heute in meinem Amtszimmer, schräg gegenüber vom Schreibtisch. Als tägliche Erinnerung und Aufforderung. „ Es geht durch unsre Hände, / kommt aber her von Gott. / Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn. / Drum dankt ihm, dankt, / drum dankt ihm dankt, / und hofft auf ihn.“
Amen

Andacht August - Pfrin Frauke Fähndrich

vorn auf dem Umschlag unseres Kirchennachrichtenblattes sehen Sie eine Jesus-Actionfigur, wie ich eine während des Studiums kaufte. Ein guter Freund in meinem Studentenwohnheim hatte eine solche Figur. Verpackung und Werbetext versprachen viel. Bewegliche Arme und echte, glaubwürdige Gleitbewegungen wurden groß angepriesen. So einen Jesus, so eine Figur, wollte ich unbedingt auch haben! Mein Freund Arvind hatte seine Figur nie ausgepackt und samt Verpackung bei sich aufgestellt. Er fand dies cool. Aber ich wollte unbedingt meinen Jesus in action sehen. Arvinds Warnungen in den Wind schlagend, befreite ich voller Vorfreude meine Figur und stellte sie auf den glatten Zimmerboden. Gespannt schubste ich sie an. Und da… rollte er müde wenige Zentimeter, bewegte dabei lahm die Arme und stand wieder still. Sein versprochen großer Auftritt war der totale Flopp.

Ich war enttäuscht – von der Figur – nicht von Jesus. Denn Jesus Christus ist nicht aus Plastik! Diese Figur war ja bloß ein Spielzeug. Von Menschen gemacht. Von Menschen Hergestelltes hat mich schon öfter enttäuscht. Zum Beispiel die sehr teure und als besonders hochwertige gepriesene Jeans, die beim ersten Tragen gleich unterhalb des Po aufriss. Während einer Schulung! Mein Neuwagen, der nach einem Jahr schon einen kostspieligen Elektronikschaden hatte oder die neue Mikrowelle, die nach einmonatiger Benutzung plötzlich regelmäßig die Sicherung kommen ließ.

Die Jesus-Actionfigur war, wie all diese Gegenstände, nur ein Objekt, auf das ich einige Hoffnungen projiziert hatte. Ein minderwertiges Abbild von Jesus, dem Christus. Doch selbst das künstlerisch hochwertigste und theologisch korrekteste Abbild kann niemals vollständig sein. Vieles, was wir über Gott glauben, haben wir von Menschen gehört. Sie haben unser Bild von Gott geprägt. Bilder wie diese: Aufpasser, Richter, Beschützer, Wunschautomat, immer lieber Papi… Solche eindimensionalen Gottesbilder haben mich zum Nachdenken gebracht. Denn Gott ist nicht das Bild oder die Summe der Bilder, die wir uns von ihm machen. Gott ist größer. Bilder, die andere uns geben, helfen uns manchmal nicht weiter, denn es bleiben fremde Erklärungsversuche. Weil anderen Menschen andere Erfahrungen mit Gott gemacht haben als wir. Weil sie andere Fragen haben. Oder weil andere mit anderen Antworten zufrieden sind. Für andere Käufer*innen ist es vielleicht schon faszinierend gewesen, dass diese Actionfigur ihrer Vorstellung von Jesus ähnelte und sie etwas gerollt werden konnte. Ich hatte mir unter „Action“ eben deutlich mehr vorgestellt.

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns eigene Antworten suchen und uns nicht mit dem begnügen, was andere uns anbieten. Es sei denn, wir erfahren diese Antwort, dieses (Ab-)Bild für uns als stimmig.

Eine schöne, für Sie/ Euch stimmige Sommerzeit wünscht Ihnen/Euch Pfrn. Frauke Fähndrich

12.07.2020 - Andacht Juli - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit...“. So beginnt eines der sehr gern gesungenen Lieder aus unserem Gesangbuch. Diese Sommertage laden uns dazu ein. Auf der Höhe des Jahres sind sie lang und oft schön. Wir genießen die hellen Morgenstunden mit Vogelgezwitscher und die langen Abende, am liebsten im Freien. In der Natur blüht und duftet es. Die Früchte reifen. Manche erleben entspannte Urlaubsstunden. Und obwohl wir auch noch immer die Spannungen der Krisensituation spüren und viele Menschen von großen Sorgen belastet sind - manchmal kann hoffentlich das Herz in dieser Sommerzeit dennoch wie von selber frei und weit, froh und dankbar werden.

Vielleicht müssen wir auch ein bisschen danach suchen: nach der Freude und der Dankbarkeit. Auch im Sommer ist ja nicht alles nur leicht...und in diesem schon gar nicht. Deshalb regt Paul Gerhardt, der Dichter des Liedes, an, ganz bewusst unser Herz „ausgehen“ zu lassen. Das heißt, nicht nur auf mich selbst zu schauen; auf das, was mich bewegt und interessiert, was mir Sorgen macht oder Ärger; mich nicht nur um das zu kümmern, was ich brauche. Wir sind eingeladen, unser Herz und unsere Augen zu öffnen für all das Schöne um uns herum, für das Gute in unserem Leben, für das, was uns täglich zur Verfügung steht – vieles davon ist Geschenk: Sonne und Regen (wie sehr spüren wir das, wenn wir darauf warten), die Blumen am Feldrain und die Tiere im Wald, das Wachsen und Gedeihen in Gärten, auf Feldern und in unseren Familien, die schönen und bereichernden Begegnungen mit Menschen, alle Liebe, die wir empfangen dürfen. Wenn wir uns bereithalten Freude zu suchen, dann werden wir unzählige Möglichkeiten entdecken, sie zu finden. Dann muss unser Blick nicht auf das fixiert bleiben, was uns oft auch beschwert.

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben. Schau an...!“ So kann unser Herz leichter und weiter werden. Wir können froh werden und danken – Gott danken. Dann können wir unseren Blick und unser Herz auch für andere Menschen öffnen, für das was sie uns schenken und auch für ihre Nöte und ihre Bedürfnisse. Und wir werden Wege suchen und finden, das Schöne um uns zu pflegen und zu bewahren für uns und die, die mit uns leben und nach uns kommen werden. So oft in unserem Leben sorgt Gott sogar im Überfluss für uns. Darum dürfen wir bitten, wo es nötig ist. Und wir dürfen es dankbar genießen.

Und lesen oder singen Sie doch wieder einmal das Lied (Nummer 503 im Gesangbuch). Darin finden sich viele Anregungen für diese Sommertage.

Ihre Dorothee Fleischhack

06.06.2020 - Andacht Juni - Pfarrer Michael Schubert

„Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder.“ (1.Könige 8,39)

Im Monatsspruch für Juni geht es um unser Herz. Gott kennt unser Herz. Er weiß, worüber wir uns Sorgen machen, was wir uns wünschen und was wir erstreben, was wir befürchten und was wir von uns wegschieben wollen. Er kennt unsere Hoffnungen und unsere Ängste. Und er ist an unserem Herzen interessiert. Dabei geht es um mehr als um jenes Hohlorgan, das das Blut in unsere Andern pumpt. Viele Sprichwörter und Redewendungen machen das deutlich. Man kann etwas von Herzen lieben, herzensgut sein, etwas auf Herz und Nieren prüfen, sein Herz am rechten Fleck haben. In der Bibel, wie im alten Orient überhaupt, steht das Herz für die Mitte des Menschen. Nach biblischer Auffassung ist also nicht das Gehirn, sondern das „Herz“ für Gefühle, Gedanken, Absichten und das Gewissen zuständig. Das Herz steht für die Fähigkeit des Menschen, zu lieben, gut zu handeln und Gott im eigenen Leben zu erfahren. Auch spricht die Bibel immer wieder von der Bedeutung eines reinen Herzens. „Rein“ meint: sauber, klar, pur. Ein reines Herz, das ist ein Herz, das sozusagen von allen „Schadstoffen“ befreit ist: vom Haben-Wollen und vom Nicht-Gönnen-Können, vom Ängstlich-Sein und vom Misstrauisch-Werden. Praktisch ist das nicht immer ganz einfach. Es gibt viele Situationen im Leben, die es uns schwer machen können, ein reines Herz zu haben. Da werden ich enttäuscht, da zerbricht eine Beziehung, da hintergeht mich jemand. Alles Herzens-Krisen!

Wie gut zu wissen, dass Gott darum weiß, dass er mein Herz kennt. Und auch das Herz der anderen. Er weiß, was wirklich der Grund für ihr und für mein Handeln war und ist. So sind neue Wege und neue Verhaltensweisen möglich. Dabei wird auch wichtig sein, dass ich dabei mit meinem Herzen auf Gott horche. Nicht zuletzt vermag Gott mir durch seinen Heiligen Geist auch ein neues, ein gereinigtes Herz zu schenken. König Salomo, aus dessen Tempelweihegebet der Monatsspruch stammt, hat seinen Gott um solch ein gehorsames Herz gebeten.

Mit einem solchen Herzen ausgestattet darf ich mich dann von Herzen freuen, kann lieben und geliebt werden, kann zuversichtlich sein und neue Hoffnung haben.

Es grüßt Sie von Herzen

Ihr Pfarrer Michael Schubert

31.05.2020 - Pfingsten - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

GUTE GEIST-KRÄFTE UNTER UNS

Viele unter uns empfinden Erleichterung in diesen Tagen – es ist wieder mehr „normales“ Leben möglich. Manchen macht gerade das Angst. Und manchen geht es viel zu langsam, sie sind voller Wut. Wir alle spüren die Anspannung auf allen Ebenen in den letzten Wochen, die Nerven sind noch strapaziert. Und es gibt neue Spannungen unter uns.
In unseren Kirchen feiern wir Pfingsten – das Fest der heiligen Geist-Kraft, die Jesus versprochen hat und die Gott uns schenkt. Damals, am Anfang der christlichen Gemeinde, führte sie zu neuem Mut, zu einer neuen Sichtweise, und zur überraschenden Verständigung unter Menschen. Solchen guten Geist brauchen wir auch heute.
Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth. Dieser Vers aus dem Buch des Propheten Sacharja begleitet uns durch die Pfingstwoche. Da sieht einer, dass große Veränderungen anstehen, das ganz Neues „dran“ und dringend nötig ist. Und er weiß, dass wir dazu Gottes Geist brauchen. Gewalt oder Macht schaffen keine wirkliche und bleibende Erneuerung. Die ist nur in Gemeinsamkeit aller guten Kräfte möglich und tragfähig für die Zukunft; für die Zukunft unserer Gesellschaft, für die Zukunft der Erde, für die Zukunft der Menschheit.
Wie können wir das schaffen?
Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. So heißt es im 2. Timotheus Brief. Wir brauchen Besonnenheit und Liebe im Miteinander, den Blick für die Anderen um uns. Wir brauchen Mut und Kraft zu dem Vertrauen, dass Gott Neues schaffen will und dass es schon begonnen hat: Mit denen, die für Andere da sind; mit denen, die ihren Lebensstil am Wohl aller Menschen und dem der Erde ausrichten; mit denen, die sich von Furcht nicht lähmen lassen, sondern auf Gottes Kraft und Gottes Liebe zu uns vertrauen.

Pfarrerin Dorothee Fleischhack

23.05.2020 - Exaudi - Pfarrer Matthias Kunze

Das Wort „Krise“ ist z.Zt. aktuell. Gemeint ist der Punkt, an dem klar ist: „Ein ,weiter so´ gibt es nicht.“ Eine Entscheidung steht an. Entweder geht es in Zukunft in diese, oder in jene Richtung.

Die Krise bringt Dinge ans Licht, die meist über lange Zeit erfolgreich verdrängt wurden. Sie ist der Punkt der Klarheit und der Wahrheit. Der Weg bis zu diesem Punkt ist oft sehr lang. Was in der Krise offensichtlich wird, deutet sich vorher schon an. Im Nachhinein erscheint es oft unverständlich, weshalb „das“ kaum einer hatte kommen sehen.

So auch beim Einzug Jesu in Jerusalem. Im Johannes-Evangelium heißt es, dass die Volksmenge Jesus als König von Israel hochleben ließ (Joh. 12,13). In ihren Augen war er der Messias. Noch deutlicher kann die Erwartung der Menge nicht ausgedrückt werden. Gleichzeitig weiß Jesus, dass er von den religiös und politisch Verantwortlichen gehasst wird. Und in dieser Situation zieht er nach Jerusalem, in die Stadt, die aus allen Nähten platzt, da unzählige Pilger dort das Passahfest feiern wollen.

Jeder musste wissen, auch Jesus, dass es nun zur Krise kommen würde. Die Zeit Jesu als jüdischer Rabbi, als Wanderprediger, als Wundertäter ist vorbei. Jetzt fällt die Entscheidung, in welche Richtung es geht. Und zunächst geht es nach unten. Es ist der totale Absturz, bis hin zum Kreuz. Doch mitten in dieser Krise erfolgt das unbegreifliche Eingreifen Gottes. Aus Jesus von Nazareth wird Christus, der Auferstandene. Jetzt ist klar, wer er ist. Die Entscheidung ist gefallen.

Auch wir stehen am Beginn einer Krise, zunächst in wirtschaftlicher Hinsicht. Dass es kein einfaches „weiter so“ geben wird, wird immer offensichtlicher. Es wird finanzielle Einschnitte geben, auch für uns als Kirche. Dadurch werden wir zu inhaltlichen Entscheidungen gezwungen. Was können wir uns in Zukunft leisten? Was wollen wir uns leisten? Was ist wesentlich für uns, als Kirche? Und immer lautet die Frage auch: Was nicht? Wir werden gezwungen, uns und unser Tun grundsätzlich zu hinterfragen. Wir werden zur Klarheit und Wahrheit gezwungen.

Für die anstehenden Entscheidungen brauchen wir Kriterien, an denen wir uns orientieren. Inhaltlich ist dies die Botschaft von Christus, dem Auferstandenen – wie könnte es anders sein. Doch was heißt das in der praktischen Umsetzung? Wie und womit erreichen wir Menschen? Wo bleiben wir (vielleicht ganz gern) unter uns? Welche Inhalte transportieren wir tatsächlich – und weshalb tun wir das? Womit fördern wir das Verstehen der christlichen Botschaft – und womit nicht? Was ist unsere Motivation? Und welche Zielvorstellungen haben wir?

Wir sollten diese Fragen nicht zu schnell beantworten. Was jetzt ansteht, ist der Wille und der Mut zur Aufrichtigkeit, zum kritischen Sich-Hinterfragen. Ich wünsche mir, dass wir hierüber ins Gespräch kommen, dass wir uns eine realistische Sicht unserer Situation zumuten. Dann wird es auch zu Veränderungen kommen, die zunächst schmerzhaft sind, aber eine neue Perspektive eröffnen.

Ihr Matthias Kunze

17.05.2020 - Kantate - Superintendent Albrecht Nollau

Und Jesus sprach zu dem Blinden: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Meister, dass ich sehend werde. Mk 10,51

Fehlt Dir was? So hat mich meine Großmutter als Kind gefragt, wenn ich irgendwie blass oder anders schlecht ausgesehen habe. Eigentlich hieß das: Bist Du krank? Ich weiß nicht, ob man das heute noch so sagt, aber ich finde es bemerkenswert, dass man sprachlich Kranksein damit verbindet, das einem etwas fehlt, obwohl es ja gar nicht immer so ist. Kranksein kann genauso bedeuten, dass man etwas hat.

Und so fragen wir ja auch manchmal: Was hast Du denn? Da ist die Antwort leichter, wenn ich sagen kann: Ich habe

Fieber oder Bauchschmerzen oder Zahnschmerzen.
Was auch immer die Antwort war: Meine Großmutter hat in so einem Fall eine universelle Medizin angewandt. Sie hat mich irgendwie verwöhnt. Ich durfte auf dem Sofa liegen, sie hat mir vorgelesen oder ich konnte Fernsehen sehen. Ich hatte ihre Aufmerksamkeit. Vielleicht hat mir ja gerade das gefehlt. Wenigstens hat es mir gutgetan.

Fehlt dir was? Damals war klar: Oma war gesund, und ich war krank und musste gesund werden. In diesen Tagen ist manches anders. Auch das. Eine Krankheit betrifft uns alle, nicht nur die, die wirklich krank sind. Manchmal ist das schwer zu verstehen, weil die meisten von uns ja keine Schmerzen haben. Die Krankheit scheint doch gar nicht so schlimm zu sein. Aber seit gestern ist mir deutlich: Das ist kein Spaß, es ist ernst. Ich habe einen Bekannten getroffen, der gerade wieder genesen ist. Was er erzählt hat, hat mich berührt.

In diesen Zeiten fehlt uns allen etwas. Die Freiheit, uns zu bewegen; Menschen, die uns wichtig sind, und die wir lange nicht besuchen konnten; die geplante Geburtstagsfeier, die geplante Konfirmation, überhaupt das unbeschwerte Miteinander. Was hat ihnen am meisten gefehlt? Was fehlt ihnen immer noch? Ich würde gern mal wieder mit Freunden zusammen essen und meine Mutter richtig in den Arm nehmen. Das fehlt mir.

Andererseits, ich habe auch etwas bekommen. Hier und da einen Brief und eine E-Mail mehr. Wie geht es Dir? Wie geht es euch? Und so habe ich das auch gemacht. Habe mehr telefoniert oder einen Gruß geschrieben. Und ich habe mich selbst intensiver freuen können an dem, was geht. Ich bin mehr spazieren gegangen und habe immer gehofft, viele Menschen zu sehen. Ja, ich freue mich über jede wirkliche Begegnung.

Was fehlt Dir? Es gibt diese Heilungsgeschichte in der Bibel, in der Jesus einen blinden Menschen fragt: Was willst Du, dass ich für Dich tun soll? Das wirkt ziemlich merkwürdig, weil der Mann blind ist und Jesus sieht das auch. Aber er will es von ihm genau hören. Er will wissen, ob der Kranke daran glaubt, dass das gehen könnte. Und er macht ihn sehend.
Diese Frage, die Jesus stellt, möchte ich mir gern zu Eigen machen. Er fragt den Menschen, der ihm da gegenübersteht, nicht nur: Was fehlt Dir? Er fragt: Was kann ich für dich tun?

Albrecht Nollau

10.05.2020 - Singt dem Herrn ein neues Lied Psalm 98,1 - Pfarrer Eckehard Möller

Ich kann sie nicht finden. Ich entdecke sie einfach nicht. Dabei muss sie dort sein. In dieser Kastanie im Nachbarhof. Wie prächtig dieser Baum gerade blüht, bemerke ich in diesem Jahr besonders. Es tut mir gut. Ich kann das in dieser Situation umso mehr gebrauchen, diese Schönheit.

Da, jetzt höre ich sie wieder. Sie sitzt also immer noch in ihrem Versteck. Ihrem Gesang nach muss sie eine Singdrossel sein. Ihre Art gilt hier als relativ selten. Fantastisch, wie sie trällert. Fast wie ein Lied aus mehreren Strophen.

In den letzten Jahren hatte ich den Eindruck, dass es immer weniger Vögel werden, sowohl auf dem Martin-Luther-Platz als auch hinterm Haus. Aber jetzt diese freudige Überraschung. Oder war sie im letzten Jahr auch schon da – und ich habe sie bloß nicht wahrgenommen?

Könnte sein. Denn es stimmt schon: Ich nehme in diesem Frühling etliche Dinge ganz anders wahr. Sehnsuchtsvoller. Intensiver. Bewusster. Vielleicht, weil ich durch die Beschränkungen weniger Möglichkeiten, weniger Ablenkung habe. Vielleicht auch, weil ich auf einmal mehr interessiert bin an Dingen, die wirklich wichtig sind. Und da gehören für mich im Frühjahr blühende Kastanienbäume und singende, zwitschernde Vögel unbedingt dazu.

Jetzt setzt sie wieder an. Ein neues Lied. „Singet dem Herrn ein neues Lied“ – so lautet der Wochenspruch aus Psalm 98 für den Sonntag Kantate. Ob meine Singdrossel das weiß? Singt sie für Gott? Auf jeden Fall singt sie von Gott. Göttlich sowieso. Welch ein Geschöpf Gottes, dieser kleine Vogel. Kleiner als eine Amsel. Völlig unscheinbar, gut getarnt. Aber diese Stimme! Das hat Gott wunderbar gemacht, als er die Vögel über dem Land schuf. Aber auch die Bäume, die da Früchte tragen jeder nach seiner Art. Überhaupt alles, die ganze Schöpfung. Herrlich.

Ich würde am liebsten mit einstimmen in den Gesang der Singdrossel. Ich singe gern. Aber nicht so gut wie sie. Und wahrscheinlich würde ich sie mit meiner Stimme vertreiben, mindestens zum Schweigen animieren. Also höre ich weiter zu. Und singe innerlich meine neues Lied für den Herrn. Und über seine Schöpfung. Gerade in diesem Mai 2020 tut es besonders gut, dies ganz bewusst zu unternehmen. Danke, Gott!

Amen

03.05.2020 - Hörfunkgottesdienst Sonntag Jubilate - St. Jakobi-Kirche Chemnitz

Für den kommenden Sonntag, 3. Mai (Jubilate), möchten wir auf den MDR-Hörfunk-Gottesdienst aus der Jakobi-Kirche Chemnitz hinweisen. Dieser wird ab 10 Uhr im MDR-Kultur oder im livestream MDR Online zu hören sein.

Die Predigt hält Pfarrer Stephan Tischendorf. Ekkehardt Hering (Oboe / Blockflöte) und Kantor Steffen Walther (Orgel) gestalten den Gottesdienst musikalisch.

Kollekte

Die Kollekte, die diesen Sonntag in unseren Kirchen gesammelt würde, ist für die Arbeit der eigenen Gemeinde vor Ort bestimmt.

Ihre Spende überweisen Sie bitte an Ihre Ortsgemeinde (Bankverbindung siehe Gemeindeblatt oder Internetauftritt) mit dem Verwendungszweck (unbedingt angeben!): RT-Nr. xxyy Name der Kirchgemeinde  - Kollekte Gottesdienst 03.05.2020

02.05.2020 - Jubilate - Pfarrerin Frauke Fähndrich

Heute und morgen hätte unser erstes Konfirmationswochenende in diesem Jahr stattgefunden. Konfirmation am Sonntag „Jubilate“ – „Freuet euch!“ Die Corona-Pandemie macht auch durch dieses Fest einen gehörigen Strich. Zum Freuen ist euch, liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden mit euren Familien, und uns gerade sicherlich nicht zumute. Wie gern hätten wir jetzt mit euch zusammen eure Taufen und Konfirmationen gefeiert! Im Konfirmationsgottesdienst bestätigt (von lat. „confirmare“) ihr eure Taufe bzw. bekennt euch als religiös Erwachsene durch eure Taufe zum christlichen Glauben. Dieses öffentliche Bekenntnis muss nun wegen der Schutzmaßnahmen noch warten.
Aber „confirmare“ hat noch mehr Bedeutungen. Es kann im Deutschen auch mit „festigen, stärken“, „behaupten, versichern“ oder „trösten, ermutigen“ übersetzt werden.
Ich hoffe, dass euch euer Glaube gerade jetzt in dieser Pandemie-Krise tröstet und sich eure christlichen Überzeugungen und Hoffnungen gerade behaupten können. Viele Erlebnisse und Begegnungen mögen euch stärken. Glaube muss gelebt werden und sich im Alltag und besonders in Krisen bewähren. Ich bete dafür, dass ihr durch andere Christ*innen erfahrt, dass die Beziehung zu Gott tragen kann und unser christlicher Glaube kein bloßes „frommes Gerede“ ist.
Normalerweise kommt nach dem Abschluss der Konfirmandenzeit erst das öffentliche Bekenntnis und danach die Bewährungsprobe. Bei euch, liebe Konfis, könnte es gerade andersherum sein.
Euch wird gerade viel zugemutet – Kontaktbeschränkungen, Schulschließung, Vereinsleben bei Null…
Ich wünsche euch, dass ihr (jetzt, später…) dem Wochenspruch zustimmen könnt:

„Wenn jemand zu Christus gehört,
gehört er schon zur neuen Schöpfung.
Das Alte ist vergangen.
Seht doch!
Etwas Neues ist entstanden!“
(2. Korintherbrief 5, 17)

Gottes Segen und bleibt gesund, bis wir uns wiedersehen und miteinander feiern!

Frauke Fähndrich

01.05.2020 - Gute Gabe - Superintendent Albrecht Nollau

Dient einander als gute Verwalter, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. 1 Petr. 4,10 (Monatsspruch für den Monat Mai)
Heute ist der 1. Mai. Ein Feiertag, aber kein kirchlicher. Der Tag der Arbeit. Dennoch eine gute Gelegenheit, über die Arbeit nachzudenken.
Die Wirklichkeit der Arbeit liegt irgendwo auf der Skala zwischen einem harten Broterwerb und einer befriedigenden Form, mit dem eigenen Können etwas zu schaffen und Anerkennung zu finden. Mal ist es mehr die ungeliebte Pflicht, und manchmal kann Arbeit richtig Freude machen. Was macht eine gute Arbeit aus?
In Bewerbungsgespräch bekommt man manchmal die Frage gestellt: Was sind ihre Stärken? Das ist natürlich keine leichte Frage. Jetzt kommt es darauf an, das eigene Licht nicht „unter den Scheffel zu stellen“, um es mit einem biblischen Vergleich auszudrücken. Wer jetzt zu zaghaft ist, dem fehlt das Selbstvertrauen. Wer bei dieser Frage aber zu dick aufträgt, an dessen Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung wird man zweifeln. Im besten Sinne eines solchen Gesprächs geht es ja um die Frage: Passen deine Stärken zu dieser Arbeit? Wenn das nicht so ist, dann kann ja keiner glücklich werden.
In unserer biblischen Tradition sprechen wir nicht von „Stärken“, sondern von „Gaben“. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Wir schauen nicht auf etwas, das wir uns selbst zuschreiben, sondern auf das, was uns Gott gegeben hat. Dahinter steht die Überzeugung, dass jeder Mensch Gaben hat, und dass es darauf ankommt, sie zu entdecken. Es ist schön, wenn man selbst herausfindet, worin man stark ist. Und es ist noch besser, das von anderen zu erfahren. Wenn einer sagt: „Das kannst du echt gut!“ dann sorgt das für Gänsehaut. Und wenn wir selbst jeden Anderen als begabten Menschen anschauen, dann verändert das die Sicht aufeinander.
In einer christlichen Gemeinschaft – so wird es im Brief des Petrus beschrieben – geht es darum, die eigenen Gaben einzubringen und sich so zu ergänzen. Das ist bei einer guten Arbeit nicht anders. Ich kann meine Gaben entfalten und mich darüber freuen, dass andere Menschen andere Begabungen haben. Ich muss nicht alles können. Gott sei Dank.

Albrecht Nollau

30.04.2020 - Liebe in Zeiten von Corona - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

Manches ist schon wieder möglich in unserer derzeitigen Situation, vieles noch nicht. Menschen fühlen sich müde, manche werden mürbe: „Ich kann nicht genug Liebe in meine Familie geben“, sagt mir jemand. In der Neustadt erlebe ich extrem quengelnde Kinder mit weinenden Müttern auf der Straße. Mitarbeitende in öffentlichen Einrichtungen reagieren genervt auf eine sachliche Anfrage. Das ist alles gut zu verstehen.
Was viel schlimmer ist: in Ehen und Familien eskalieren Konflikte und es gibt immer mehr häusliche Gewalt.
Noch öfter erlebe ich das andere: Eine besonnene Ärztin im Krankenhaus, die in einer Notrufsituation freundlich und ruhig ihren Dienst tut, alles nötige veranlasst und dann beruhigend sagt: „Für heute ist alles in Ordnung, sie können erstmal nach Hause“. Oder: Eine Mitarbeiterin in einem Pflegeheim, die – wie seit Jahren schon – auch jetzt immer wieder spontan einspringt, um gelassen und liebevoll ihren Dienst zu tun, unterstützt von ihrer Familie. Hausärzt*innen und Pflegefachkräfte, die regelmäßig bei alten Patient*innen nachfragen, wie es ihnen geht. Menschen, die im Auftrag von Ämtern am Telefon oder in den Häusern da sind, erklären, zuhören, beruhigen, pflegen, trösten, obwohl ihnen oft die Arbeit schwergemacht wird.
Liebe deine Nächsten, heißt es im Gebot Gottes für uns.
Da ist Liebe; Liebe zu den Nächsten, manchmal so weit über dienstliche Verpflichtungen hinaus. Und wieviel Liebe ist da erst in den Familien, die in dieser Extremsituation und Anspannung täglich neu miteinander anfangen, die füreinander da sind und immer neu die Liebe suchen und leben.
Liebe…dich selbst, sagt uns Gott. Liebe Dich selbst. Sei barmherzig mit Dir. Sei geduldig auch mit Dir selbst. Sei fürsorglich für Dich. Das darfst Du. Das brauchst Du. Vielleicht ist das jetzt noch schwerer als sonst. Versuch es dennoch, jeden Tag neu. Du bist mein geliebtes Kind. Du bist wertvoll für mich. Ich sehe Dich in Deinem Bemühen, in Deiner Not, in Deiner Schwäche, in Deiner Einsamkeit. Und ich sehe Dich in Deiner Liebe, in Deiner Kraft, in Deinem Dasein für andere. Ich, Gott, bin da. Und ich liebe Dich.
Amen.

Pfarrerin Dorothee Fleischhack

29.04.2020 - Aktion - aber richtig! - Pfarrerin Frauke Fähndrich

„Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ (Prediger 9,10) heißt die heutige Tageslosung aus der biblischen Weisheitsliteratur. Damit ist kein ununterbrochenes Machen Machen Machen gemeint. Auch kein blinder, hilfloser Aktionismus, wie ich ihn häufiger in der Sars-Cov-2-Krise wahrgenommen habe. Das sind keine unüblichen Reaktionen in Ausnahmesituationen. Psychologisch gut erklärbar. Zuerst versucht man sich zu schützen, indem man die Gefahr leugnet oder zumindest klein redet: „Wer weiß, ob das alles so stimmt… Dieses Virus wird schon nicht so gefährlich sein, wie jetzt gesagt wird… In Deutschland sind wir bestimmt weit genug weg und mit unseren hohen Standards sicher.“ Dann wird klar, dass die Bedrohung real und groß ist. Die Infektionen nehmen zu und die lebensbedrohliche Erkrankung Corvid-19 rückt näher und näher ans eigene Umfeld heran. Dringt gar in die eigenen Beziehungen im Verwandten- und Freundeskreis ein. Doch mögliche Schutzmaßnahmen sind begrenzt. Die unsichtbare Gefahr wird auf unbestimmte Zeit nicht zu bannen sein. Unser Alltag steht plötzlich Kopf. Das Leben vieler Menschen ist in den verschiedensten Bereichen existentiell bedroht. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist schwer auszuhalten. Abwarten müssen, Ruhe bewahren und allein auf Wissenschaftler und Verantwortungsträgerinnen vertrauen müssen. Unerträglich. Wir müssen doch etwas tun können, uns als Gemeinschaft(en) entgegenstemmen! Schnell häuften sich Aufrufe zu gemeinsamen Aktionen. Für den Zusammenhalt. Zur Solidarität. Als Glaubensstärkung. Vereine, Organisationen wetteiferten in ihrem Mitmachwerben. 18 Uhr, 19 Uhr, 19.30 Uhr, 20.00 Uhr, 21.00 Uhr… Vaterunser beten, „Ode an die Freude“ und „Der Mond ist aufgegangen“ singen, Klatschen für die systemrelevanten Berufsgruppen… dazu noch regional Verschiedenes wie „Das Steigerlied“. Jeweils fünf Minuten auf dem Balkon bei frischen Temperaturen in der Erkältungssaison?
Alles Dinge, um sich selbst und anderen zu zeigen, dass wir Menschen unser Leben im Griff haben – auch in dieser Pandemie ungeahnten Ausmaßes. Nach außen sah das alles vielleicht gut aus. Das gemeinsame spontane Singen und Musizieren auf den italienischen Balkonen lenkte sicherlich auch etwas ab von den schrecklichen Bildern und Nachrichten. Tröstete.
Aber viele Aktivitäten verdecken, dass wir eben nicht alles unter Kontrolle haben. Wir können nicht alles machen, wenn wir nur wollen und uns anstrengen. Schon gar nicht gut. Bei mir als Pfarrerin sind dafür viele Beispiele angekommen: Nervenaufreibende Schwierigkeiten des Arbeitens im Homeoffice. Unzureichende technische Voraussetzungen, kein Platz zum Arbeiten. Wie Ruhe zum Schreiben des wichtigen Textes am Laptop finden, wenn der Partner in unmittelbarer Nähe (ebenfalls im Homeoffice) ein Meeting per Telefonkonferenz hat und der Nachwuchs via Zoom unterrichtet wird? Und das ist ja schon fast ein Glücksfall, denn das bedeutet, dass die notwendigen Geräte mehrfach vorhanden sind. Keine Ausnahme, dass sich zwei Erwachsene und mehrere Kinder für ihre Arbeit und Schulaufgaben plötzlich einen einzigen Rechner teilen sollen. Dazu dann noch die hilfsbedürftigen Eltern unterstützen. Den Vermieter und das Autohaus um Ratenzahlung bitten, weil nun Kurzarbeit angeordnet wurde. Doch wovon nachher die aufgelaufenen Beträge abstottern, wenn es vor Corona schon knapp war? Menschen bangen um ihren Arbeitsplatz, Selbständige um ihre berufliche Existenz. Alleinerziehende Mütter und Väter verzweifeln. Gewalttaten nehmen zu. Suizide womöglich auch.
Viele sind überfordert. Auch wenn vielleicht alles recht gut geregelt werden konnte, eine Wohnung ist nicht dafür gemacht, sich dort wochenlang fast ununterbrochen aufzuhalten. Auch mit viel (Heim-)Arbeit fällt einem da die Decke auf den Kopf und wird der Lebensraum allein oder für mehrere zu eng.
Mal entnervt zu brüllen, wutentbrannt die Türen zu knallen, erschöpft zu weinen… ist kein Versagen, sondern völlig verständlich. Die Tageslosung „Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.“ soll keinen weiteren Druck aufbauen, sondern entlasten. 1. Was dir vor die Hände kommt. Nicht die ganze Welt, die deutsche Gesellschaft, das Überleben der Firma, den Schulabschluss der Tochter, die Einsamkeit der Mutter retten, sondern das, was zum Greifen nah ist. Bei uns Menschen ein überschaubarer Radius. Aber in diesem nun auch nicht alles und am besten sofort lösen, sondern 2. Mit deiner Kraft tun. Nur, was unsere Kraft zulässt. Die kann in der Not wachsen, ist aber nicht unbegrenzt. Muss sie auch nicht sein. Gott erhält seine Schöpfung nicht durch einen einzelnen Menschen. Gemeinschaft ist das zentrale Fundament. Gemeinschaft seiner Geschöpfe mit dem Schöpfer und untereinander.
Für eine Sache sollte Jede und Jeder immer genügend Kraft lassen: Fürs Gebet, fürs Hören auf Gottes Willen – um dann gemeinsam das zu tun, was der Heilige Geist als sinnvoll eingibt. Dazu hat Gott uns auch den Verstand gegeben. Vernünftiges Handeln durch Schutzmaßnahmen dieser Tage ist sinnvoll und wichtig.
Paulus drückt es in dem Satz, der neben den heutigen Predigervers gestellt wurde, so aus: „Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.“ (Römer 12,11)
Das tun wir auch mit vermeintlich kleinen Taten. Ein nettes Wort für den Partner, eine kleine Aufmerksamkeit für die Pflegerin, ein lustiges gemeinsames Spiel mit den Kindern, ein ungezwungener Plausch in der Schlange an der Kasse, eine kleine ungestörte Zeit für mich in der Wanne oder im Wald. Damit haben wir dann in der Summe schon ganz viel geschafft. Für uns, unsere Familien und unsere Gesellschaft. Alles aber liegt in Gottes Hand und ist dort gut aufgehoben. Sparen wir uns die Kraft, so zu tun, als könnten wir ihm die Kontrolle aus der Hand reißen.

Frauke Fähndrich

28.04.2020 - Stärker als jede Krise - Pfarrer Michael Schubert

„Der Stein der Angst ist weggewälzt. Der Stein der empfundenen Ausweglosigkeit, der Verzweiflung, der Enge und des Zugeschnürtseins. Seit Ostern.“ - so hat es Gudrun Kropp einmal gesagt. Die Osterbotschaft ist Hoffnung für die Welt. Weil Jesus auferstanden ist, ist neues Leben möglich. Das macht Mut. Nichts muss beim Alten bleiben. Gott schenkt uns neues Leben! Es ist ein Leben, das nicht zerbrechen kann; ein Leben, das stärker ist als alle Mächte der Finsternis und Angst; ein Leben, das auch stärker ist als alle Mächte der Verzweiflung und des Todes. - Aber wie verträgt sich das mit der Tatsache, dass Menschen, auch Christen, manchmal niedergeschlagen, traurig, kaputt, fertig und hoffnungslos sind? Und wie können wir heute inmitten der Corona-Krise - wenn alles nun doch länger dauert und viel komplizierter ist als viele am Anfang dachten, wenn Home-Office und Home-Shooling unsere Nerven strapazieren — wie können wir in all den vielfältigen Herausforderungen wieder neue Energie schöpfen? Wie bekommen traurige Menschen wieder Mut und Hoffnung?
Hören wir auf Worte des Propheten Jesaja - Jes.40,28-31: „Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Gott gibt müden Menschen neue Kraft - das ist ein wunderbares Angebot. Mitten hinein in die Welt voller müder Menschen ergeht die Predigt vom niemals müden Gott. Er schläft nicht ein. Er wird nicht müde. Er ist da und er greift helfend ein. Diese Botschaft ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass nach antiken babylonischen Vorstellungen Götter durchaus müde werden konnten und müde wurden. Von daher hatte man im alten Babylon auch eine beträchtliche Anzahl an Göttern, etwa 2.500, so dass, wenn die einen Götter müde wurden, andere für sie einspringen konnten. Denn müde Götter sind keine verlässliche Hilfe. Sie nützen nichts. Doch Jesaja’s Gott und unser Gott, der lebendige Gott Israels ist anders: Er schläft und schlummert nicht! Sein Arm ist nicht zu kurz, als dass er nicht helfen könnte. - Das teilt Jesaja dem Volk mit. Und seine Botschaft wird vom Volk gehört. Das Volk Gottes erfährt im Vertrauen auf diese Worte eine neue Kraft. Die Israeliten haben nach 70 Jahren Exil so zu ihrem Gott zurück gefunden, sie haben neue Hoffnung geschöpft und aus alter Verzweiflung heraus gefunden; sie haben sich auf den beschwerlichen Heimweg aus der babylonischen Gefangenschaft gemacht und in Jerusalem die Stadt und den Tempel wieder aufgebaut. Ich erkenne hier vier (Glaubens-)Schritte: 1. Sie wenden sich an Gott und klagen ihm ihre Not. 2. Sie vertrauen Gottes Worten und seinem Zuspruch. 3. Sie brechen auf und verändern so ihre Situation. 4. Sie begeben sich in den Aufwind des Geistes Gottes und fahren auf mit Flügeln wie Adler. Sie empfangen neue Kraft und neuen Mut.
In dem bekannten Paul-Gerhardt-Lied „Befiehl du deine Wege“ heißt es: „Ihn, ihn lass tun und walten, er ist ein weiser Fürst und wird sich so verhalten, dass du dich wundern wirst, wenn er, wie ihm gebühret, mit wunderbarem Rat das Werk hinausgeführet, das dich bekümmert hat. Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht; bist du doch nicht Regente, der alles führen soll, Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl“ (EG 361,8+7).
In schwierigen Lebenssituationen und Krisen wie dieser jetzt ist das schwer zu glauben, auf der anderen Seite wird gerade in solchen schwierigen Lebenssituationen der Glaube an einen anwesenden und handelnden Gott uns weiterhelfen können. Ostern will uns verändern. Es will in uns neuen Glauben an einen lebendigen Gott wachrufen, der müden Menschen neue Kraft schenkt, uns wieder aufrichtet und nach oben trägt, wie der Aufwind den Adler.

Michael Schubert

 

27.04.2020 - Hoffnung und Erwartung - Pfarrer Eckehard Möller

Langsam kommt es an. Vielleicht noch nicht ganz in unseren Seelen. Aber in unseren Köpfen. Dieser Sommer wird ganz anders werden. Selbst wenn die Sonne noch so schön scheinen sollte: keine Großveranstaltungen. Keine BRN. Kein Hechtfest. Und natürlich auch kein Gemeindefest.
Wahrscheinlich aber kommt es noch ärger, auch wenn wir dies noch nicht wahrhaben wollen: unser Urlaub wird in Frage stehen. Wenn wir realistisch sind, dann platzen gerade unsere Träume von einer Reise nach Skandinavien oder ans Mittelmeer; wahrscheinlich sogar von einer Fahrradtour entlang eines deutschen Flusses. Sicher ist ausfallender Urlaub eher ein Luxusproblem. Jedoch wir haben uns so schön daran gewöhnt. Zwar hoffen wir noch auf ein Wunder, aber…
In manche Dinge im Leben setzen wir große Hoffnungen. Urlaub ist so etwas, woraufhin viele Menschen zu leben. Sich von Urlaub zu Urlaub durch den Arbeitsalltag hangeln. Oder auch das große Familienfest. Wie viele Taufen und Trauungen haben wir in den letzten Wochen schon abgesagt. Nein, wohl eher verschoben, auf bessere Zeiten. Aber oft fühlte es sich wie ein Absagen an. Es gibt derzeit viele konkrete Hoffnungen, die wir hegten. Deshalb sind die Enttäuschungen so groß.
Enttäuschung. Vom Wort her: ent-täuscht. Vom Sinn her: Wir waren getäuscht – jetzt ist diese Täuschung verschwunden. Wir sind ent-täuscht.
Unsere Täuschung war wohl, dass immer alles sicher ist. Dass immer alles so weitergehen kann wie gewohnt, wie gewünscht. Dass alles machbar ist, uns zur Verfügung steht und zu stehen hat.
Vielleicht sind uns dabei andere Gefühle verloren gegangen. Vielleicht können wir es auch Erwartung nennen. Erwartung nicht im dem Sinne, was wird, sondern einfach dass etwas wird. Dass wir unseren Anspruch auf das Was fallen lassen. Dass wir das Das wieder dankbar und spannungsgeladen willkommen heißen. Gottvertrauen.
In jüdischen Familien gehört es zum Paschafest dazu, Petersilie zu essen. Das Erste, was im Frühjahr wieder wächst. Als Zeichen des Dankes und des Gottvertrauens, dass er es auch in diesem Jahr wieder wachsen lassen wird.
Oder wie Paulus es formuliert hat in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: „denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld, / Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung. / Die Hoffnung aber lässt nicht zugrunde gehen.“ (Röm 5,3-5)
Amen
Eckehard Möller

26.04.2020 - Online Bläsergottesdienst aus der George-Bähr-Kirche Dresden

Am Sonntag, 26. April 2020 (Misericordias Domini) wird ab 11 Uhr der Bläsergottesdienst aus der Ev.-Luth. George-Bähr-Kirche Dresden als Online-Gottesdienst zu sehen sein. Den Gottesdienst organisieren die Sächsische Posaunenmission e.V. und die Kirchgemeinde Dresden-Loschwitz gemeinsam.

Die musikalische Ausgestaltung übernehmen die Landesposaunenwarte, die Dresdner Gesangssolistin Franziska Schab und Organist Tobias Braun.

Kollekte

Die Kollekte, die diesen Sonntag in unseren Kirchen gesammelt würde, ist für die Arbeit von Posaunenmission und Evangelisation bestimmt. Ihre Spende überweisen Sie bitte mit Angabe des Verwendungszwecks „Kollekte Gottesdienst 26. April 2020“ auf das Konto der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, IBAN DE06 3506 0190 1600 8000 15.

Alternativ können Sie auch gerne online über den folgenden Button spenden – vielen Dank!

Onlinespende Posaunenmission

25.04.2020 - Von guten Mächten wunderbar geboren - Pfarrer Matthias Kunze

Es gibt Texte, die uns durch unser Leben begleiten. Ein solcher Text ist für mich "Von guten Mächten wunderbar geborgen", von Dietrich Bonhoeffer. Über die Jahre hat sich dieser Text für mich stark verändert, denn es gibt keine objektiven Texte. Wann immer wir einen Text lesen, eröffnen wir ein Gespräch. Auf der einen Seite steht das, was geschrieben wurde, auf der anderen Seite stehen wir, mit unseren Erfahrungen, Prägungen und all dem, was uns aktuell beschäftigt. Das Ergebnis ist "unser" Text. Und dieser verändert sich mit uns, fortlaufend. Hier nun mein aktuelles Verständnis dieses Textes:

"Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr." - Gottes Gegenwart in dieser Welt ist real. Wir sind von einer größeren Wirklichkeit umgeben. Und Gott meint es gut mit uns. Er umgibt und behütet uns, auch in dieser Krise, auch und gerade in aller Unsicherheit.

"Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen, das Heil, für das du uns geschaffen hast." - Ja, es gibt Böses in dieser Welt. Es gibt Erinnerungen, die uns belasten, vertane Chancen und Schuld. Jeder von uns trägt seine Last aus der Vergangenheit mit sich. Wir sind damit nicht "fertig" und reagieren verschreckt, wenn davon etwas "hoch kommt". Doch Gott will und wird unser Leben heil machen. Er wird uns und unser Leben vollenden.

"Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand, so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern aus deiner guten und geliebten Hand." - Unbegreifliches Leid gehört zur Wirklichkeit unseres Lebens. Es gibt keine seriöse Antwort auf die Frage nach der Gerechtigkeit Gottes: "Wie kann Gott das zulassen?". So wie das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz letztendlich nicht "erklärbar" ist, so auch das Leid heute. Es ist Teil dieser Welt. Und dennoch umgibt und behütet uns Gott, gerade im Leid.

"Doch willst du uns noch einmal Freude schenken an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz, dann wolln wir des Vergangenen gedenken und dann gehört dir unser Leben ganz." - Diese Welt ist schön. Dieses Leben ist schön. Gott will, dass wir uns an und in dieser Welt freuen. Auch das gehört zur Wirklichkeit unseres Lebens. Freuen wir uns an der Schönheit dieser Welt, in Dankbarkeit für alle Bewahrung und Führung Gottes bis zu diesem Tag.

"Lass warm und hell die Kerzen heute flammen, die du in unsre Dunkelheit gebracht, führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen. Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht." - Wir wissen nicht, was kommt. Die Zukunft ist offen, aber sie liegt in Gottes Hand. Und Gott ist das Licht, die Liebe und das Leben. Dieses Licht scheint sogar in die Dunkelheit des Todes und führt uns durch den Tod ins Leben.

"Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang." - Hören setzt Stille voraus. Wir müssen schweigen lernen, wenn wir die Wirklichkeit Gottes erfahren wollen. Stille will ausgehalten sein. Nur in der Stille können wir empfangen, was nicht aus uns kommt.

"Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." - Wir sind und bleiben Gottes geliebte Kinder. Er bringt uns ans Ziel, zu sich selbst. Gehen wir ohne Angst unseren Weg durch diese Welt, die für uns oft so unbegreiflich ist - schön, aber auch beängstigend, hell und licht, aber auch voller Leid, wunderbare Schöpfung Gottes, aber mit scheinbar gottverlassenen Zeiten und Orten. Am Ende aber steht die große Horizonterweiterung, steht das Verstehen und Erkennen dessen, was wir jetzt im Glauben bekennen: Gott meint es gut mit uns und führt uns ins Leben.

Ihr Matthias Kunze

24.04.2020 - Der Zweifler - Superintendent Albrecht Nollau

Wie ist das eigentlich mit der Auferstehung? Wer in der Bibel einen Bericht über die Auferstehung selbst sucht, der wird ihn nicht finden. Aber er findet beeindruckende Begegnungsgeschichten. Die Auferstehung ist gewissermaßen ein Rückschluss. Wenn Jesus nicht im Grab ist, und diesem oder jenem so oder so begegnet ist, dann ist er auferstanden.

Wie soll das gehen? Wem es schwer fällt, das zu glauben, wer Zweifel hat, der befindet sich in bester Gesellschaft. Einem der Jünger geht es nämlich genauso. Er heißt Thomas, hört, was die anderen von der Begegnung mit Jesus berichten, und kann es einfach nicht glauben. Er will Jesus sehen, will ihn berühren, mit der Hand seine Wunden berühren. Ach ja, von dem haben wir schon gehört. Der ungläubige Thomas. Das klingt ziemlich abwertend. Aber schauen wir genau auf die Geschichte. Es ist ja nicht so, dass Thomas nicht an Jesus glaubt. Er glaubt nur nicht, was die anderen sagen. Er war ja auch nicht dabei, als sie Jesus begegnet sind. Dann wäre das etwas anderes.

Und dann, so erzählt die Bibel, kommt Jesus in den Raum, geht auf Thomas zu, und sagt: Hier, berühre meine Hände, berühre meine Wunde. Die Bibel schreibt nicht, ob er es getan hat. Ich wäre davor zurückgeschreckt. Vielleicht ist es Thomas auch. Er wird beschämt gewesen sein und überwältigt.

Man kann die Geschichte ja auf zweierlei Weise lesen.

Einmal kann man in Thomas den unseligen Zweifler sehen, der von Jesus sozusagen vorgeführt wird. Und man kann Zweifel als eine Gefahr für den Glauben sehen. Dann muss man sich vom Zweifel fernhalten und den Zweifler fürchten.

Man kann sie auch anders lesen. Man kann sich in Thomas wiederfinden, begreifen, dass Zweifel zum Glauben führen können, und dass Jesus ihm entgegenkommt und ihn gerade nicht blamiert. Weil eben nicht jeder ohne weiteres glauben kann.

Für mich ist der Zweifel ist nichts Verbotenes. Er ist Teil eines jeden Glaubensweges und wird uns wohl nie ganz verlassen.

Aber wir brauchen natürlich auch ein Vertrauen ohne letzte Beweise, nicht nur im Glauben, im ganzen Leben. Wir müssen dem Menschen vertrauen, der sagt, dass er uns liebt. Und wir müssen Gott vertrauen, dass er uns nicht fallen lässt.

Selig ist, wer das kann.

Thomas ist und bleibt einer der Jünger. Er ist der Zweifler, den kritischen Geist, der vorsichtig ist, der erst selbst erleben will, sehen und begreifen – ehe er glaubt. Gut, dass es ihn gibt und geben darf. (nach Joh 20, 19-29)

23.04.2020 - Engel - Pfarrer Martin Krautwurst (Meran)
In Verbundenheit mit Menschen in von der Corona-Krise besonders betroffenen Ländern stellen wir heute wieder eine Gast-Andacht aus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Meran, Südtirol, Italien, zur Verfügung – diesmal mit einer Reminiszenz an die Sixtinische Madonna in der Gemäldegalerie Dresden. (Eckehard Möller)

 

Jakob zog seinen Weg. Und es begegnete ihm die Engel Gottes. (Genesis 32,2)

Der Engel sprach zu den Frauen: Geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. (Matthäus 28,5.7)

„Engel gibt es nicht, das ist so ein Märchen der Kirche…“ sagte die Lehrerin in meiner Kindheit zu mir, als wir über Weihnachten sprachen. Die DDR vermarktete sie trotzdem, denn sie brachten Devisen. Die Erzgebirgler Handwerkskunst war beliebt und so wurden die Engel in sozialistischen Zeiten einfach in „Geflügelte Jahresendfiguren“ umbenannt.

Mir ging die Frage nach den Engeln ein Leben lang nach, und ich bin bisher ganz vielen unterschiedlichen Engeln (Boten) begegnet: „Gelben Engeln“ vom ADAC, Postboten, Zeitungsredakteuren, Nachrichtensprechern, „Tratschweibern“, „Geschichtenerzählern“, „laufenden Litfaßsäulen...“! Vielleicht waren auch ein paar Schutzengel dabei, ohne dass ich sie bewusst bemerkt hätte. „Engel“ kommt von dem Griechischen „Angelos“ und meint eigentlich nichts anderes als einen Übermittler einer Nachricht. Das müssen nicht immer stattliche, schöne Männer mit Flügeln sein, vielleicht sind sie auch weiblich, ganz groß oder ganz klein. Ein jeder von uns überbringt Nachrichten, solche und solche, notwendige Botschaften, aber leider auch viele, die wir uns hätten gut sparen können. Wir sind und werden zu Engeln, wenn wir die gute und frohe Botschaft des Lebens weitergeben.

In der Ostergeschichte bekommen die Engel wieder eine ganz zentrale Rolle, denn sie begegnen den Frauen am leeren Grab. „Fürchtet Euch nicht…!“ hören wir sie reden, „…habt keine Angst!“ Diese Worte klingen auch in unserer leeren Kirche in mir nach. Furchtlos und ohne Angst sollen wir dem Leben begegnen. Einander Mut und Hoffnung machen und ganz praktisch füreinander da sein. Lasst uns zu Engeln werden, und die Osterbotschaft in die Welt tragen. Nichts kann uns scheiden von der großen Liebe Gottes, in seiner Liebe wird uns erfülltes Leben geschenkt.

Gesegnete Osterwochen wünscht Ihnen,
Ihr Pfarrer Martin Krautwurst.

Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.

Sie gehen leise, sie müssen nicht schrein,

oft sind sie alt und hässlich und klein, die Engel.



Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand, die Engel.

Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,

oder er wohnt neben dir, Wand an Wand, der Engel.



Dem Hungernden hat er das Brot gebracht, der Engel.

Dem Kranken hat er das Bett gemacht,

und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, der Engel.



Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel.

Groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein

es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.



Rudolf Otto Wiemer

22.04.2020 - Vögel unter dem Himmel - Pfarrer Eckehard Möller

Durch ein technisches Problem erschien in der vergangenen Woche unter der Überschrift „Vögel unter dem Himmel“ eine Andacht vom Ostermontag ein zweites Mal. Die Verantwortlichen der Rubrik „Andachten“ bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Vögel unter dem Himmel Mt 8,20

Hinterm Haus auf unserer Terrasse. Ich stehe an Pflanzkübeln und bereite die Aussaat vor. Über mir strahlend blauer Himmel. Zwei Gänse ziehen schnatternd vorüber.

Vögel habe ich immer schon beneidet. Besonders als Jugendlicher. Da stand ich z.B. in Berlin vor einer Mauer. Die Vögel konnten einfach drüber fliegen. Mir blieb das verwehrt.

An jene Vögel von damals musste ich unwillkürlich denken angesichts der beiden Gänse heute. Sie zogen Richtung Süden. Vielleicht fliegen sie nach Tschechien? Das ist uns allen derzeit verwehrt.

Das erinnert mich an den letzten Spätsommer der DDR, 1989, als die Grenze zur ČSSR auch noch geschlossen wurde. Damals aus politischen Gründen. Auf einmal durften wir unser Land gar nicht mehr verlassen.

Solche Erinnerungen könnten wieder aufflammen heutzutage: gesperrte Grenzen. Jedoch unter völlig anderen Bedingungen. Nicht so sinnlos wie vor reichlich 30 Jahren. Das dürfen wir nicht vergessen. Trotz aller Unwägbarkeiten: Ein Ende der Corona-Krise ist ja doch irgendwie in Sicht!

Den Vögeln sehe ich dennoch sehnsuchtsvoll hinterher. Und mir fällt dabei ein Satz von Jesus ein: „Die Vögel haben ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“. Ein Satz, der mich immer wieder aufwühlt, fast erschreckt ob seiner Trostlosigkeit. Weniger zu haben als Vögel.

Ist uns bewusst, was wir alles haben? Wie gut es uns eigentlich geht? Vielen fällt es zunehmend schwerer, die derzeitige Situation mit all den Beschränkungen auszuhalten. Und nun sogar in Verlängerung. Wären Sie daher jetzt gern ein Vogel?

In der Bergpredigt lese ich noch einmal über Vögel: „Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, … euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26)

Gottvertrauen, sich auf Gott zu verlassen, sich selbst zu ver-lassen. Das sind wichtige Motive des Evangeliums. An denen wir uns aus- und aufrichten können. Über aller derzeitigen Bedrängnis steht das Vertrauen, dass Gott uns trägt und hält. Spüren Sie es?

Amen

21.04.2020 - Osterfestrede

Der bekannte Schriftsteller Erich Kästner wurde in unserer Dreikönigskirche getauft und konfirmiert. Er und seine Eltern waren Gemeindeglieder. Auch sein Onkel mit Familie. In dessen Villa am Albertplatz ist heute das Erich Kästner Museum. Der in der Königsbrücker Straße geborene Autor erzählt in seinem Buch „Als ich ein kleiner Junge war“ von seinen ersten zehn Lebensjahren in Dresden. Erichs kindlich glückliche Welt am Anfang des 20. Jahrhunderts endete jäh durch einen Lehrer. Dieses Erlebnis erschütterte ihn so nachhaltig, dass Kästner es mehrmals literarisch verarbeitete. Ich zitiere die ersten Strophen seines Gedichts.

Osterfestrede

Zu Ostern denk ich immer an den Lehrer,
bei dem wir in der Fibel Fabeln lasen.
Der Mann war der geborene Erklärer,
und keine seiner Lehren traf mich schwerer
als die: „Es gibt gar keinen Osterhasen.“

Der Mann hieß Bremser und war unverdrossen.
Mit diesem einen Satze hat er mir
die ganze Kindheit hinterrücks erschossen.
Das Märchen war, eh’ s recht begann, beschlossen.
Tja, und der Hase war ein Nagetier.

Ausführlich erzählt Erich Kästner dieses einschneidende Erlebnis in seiner Geschichte „Die Entlarvung des Osterhasen“. Der Lehrer zerstört mit einem kurzen Satz nicht nur den Glauben an den Osterhasen, sondern auch die kindliche Osterfreude. Ich hoffe nicht für immer, aber auf jeden Fall sehr nachhaltig. Also ganz und gar nicht festlich, diese Rede über Ostern.

Wie war das bei Ihnen? Kam zu Ihnen als Kind der Osterhase und auf welchem Weg wurden Sie später über dessen Nichtexistenz aufgeklärt? Kommt der Osterhase auch zu Ihren Kindern?

Mein Osterhase wurde nicht hinterrücks erschossen. Konnte er gar nicht. Mein jüngerer Bruder und ich wussten von Anfang an, dass die Ostereier und Schokohasen von unserem Vater versteckt wurden. Um den Ritus kam er vielleicht nicht herum. Das Suchen machte Spaß und die Süßigkeiten schmeckten uns. Die Spannung war wahrscheinlich nicht so groß wie bei Kindern, die aufgeregt auf ein wunderliches Wesen warten, dass auf mysteriöse Weise einmal im Jahr in Rekordzeit allüberall kleine Menschen beschenkt.

Viele Jahre später fragte ich meinen Vater, warum er uns nie glauben ließ, der Osterhase verstecke die Leckereien. Mein Vater antwortete, er belüge seine Kinder nicht.

Im Vikariat erzählte ich dies einmal meinem Studienleiter, der daraufhin laut auflachte und rief: „Na, das war ja schon die erste Lüge!“

Seitdem beschäftigt mich immer wieder die Frage, wieviel Wahrheit sein muss und wieviel fantasievolles Geheimnis sein darf. Unser Glaube, Gottes Schöpfung und Rettungstat sind doch ein wundervolles Mysterium, das es zu feiern gilt. Nicht alles daran haben wir verstanden. Nicht alles daran können wir verstehen. Nicht alles daran müssen wir verstehen. Gottes Größe fasziniert uns gerade, weil wir vieles an ihm nicht verstehen. An Gott gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Gefährlich wird es, wenn wir glauben, alles über ihn erkannt zu haben. Dann ist es ein Leichtes für so einen Bremser, unser Kartenhaus zum Einsturz zu bringen. Das soll uns nicht passieren. Denn wenn wir mit unserem Latein am Ende sind, ist Gott immer noch größer.

Beim Fest der Geburt Jesu ist das Dilemma für mich gelöst. Zum Christfest bringt das Christkind die Geschenke. Das Christkind gibt es echt und es ist göttlich. Dem traue ich diese logistische und geheimdienstliche Meisterleistung absolut zu. Wobei ich auch Weihnachtsmänner, besonders die aus Schokolade, nicht absolut verschmähe.

Gibt es zum Osterhasen auch eine christliche Alternative? In süßer Form ja. Das Osterlamm. Aber das versteckt ja keine Eier oder andere Geschenke, oder doch? Wenn Sie Varianten kennen und vielleicht in ihre Familie feiern, dann lassen Sie es mich bitte wissen. Möglicherweise regt sich ja auch gerade Ihre Fantasie. Dann lassen Sie sie sprudeln!

Fröhliche und gesegnete Osterzeit!

Frauke Fähndrich

Quellenangabe: Erich Kästner, Die Entlarvung des Osterhasen. Geschichten und Gedichte, hg. von Sylvia List, Atrium Verlag, Zürich 22014.

20.04.2020 - Unerwartetes - Pfarrer Matthias Kunze

Markus 167

Bis vor wenigen Wochen lief unser Leben nach Plan. Wir wussten zwar, dass das Unerwartete jederzeit in unser Leben einbrechen kann, doch war das eher eine theoretische Annahme, nicht unsere Erfahrung. Unsere Erfahrung war, dass wir alles im Griff haben. Das hat sich nun geändert und wir müssen damit umgehen. Wie wir das tun, wie wir reagieren, ist dabei die entscheidende Frage.

Auch die Ostergeschichte handelt vom Einbruch des Unerwarteten in unser Leben. Und auch hier entscheiden wir, durch unser Verhalten, welche Bedeutung dieser Einbruch des Unerwarteten für uns hat - oder eben auch nicht hat. Im Markus-Evangelium, im 16. Kapitel, wird erzählt, dass am Ostermorgen Frauen zum Grab Jesu kommen. Das Grab aber ist leer, bis auf "einen Jüngling in einem langen, weißen Gewand". Der sagt ihnen, was sie auch sehen, nämlich, dass der Gekreuzigte nicht im Grab ist. Er verkündigt ihnen die Osterbotschaft und schickt sie weg vom Grab. Er kündigt ihnen an, dass sie "ihn" sehen werden. Eigentlich eine frohe Botschaft. Aber die kommt bei den Frauen nicht an. Was ankommt, ist der Einbruch des Unerwarteten. Und so reagieren sie auch. Es heißt:

"Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich."
Furcht ist eine natürliche Reaktion, die in dieser Situation auch angemessen ist. Gleiches gilt für die Situation, in der sich viele aktuell befinden. Wie soll es weitergehen - wirtschaftlich, finanziell? Aber auch: Wie lange soll das noch so weiter gehen - zu Hause, in der Familie? Wird bald alles wieder "normal", oder rutscht uns der Boden unter den Füßen weg? Wir merken, dass wir nicht mehr alles im Griff haben. Wie gehen wir damit um?

Tatsache ist, dass in dieser Situation niemand sagen kann, was kommen wird. Aber die Ostergeschichte enthält einen entscheidenden Hinweis, der auch für unsere aktuelle Situation gilt:

Die Geschichte endet ja nicht damit, dass die Frauen vor lauter "Zittern und Entsetzen" niemandem etwas sagen. Nein, aus ihrer Furcht wird die Osterfreude. Wie kommt es dazu? Dadurch, dass sie gemeinsam mit den Jüngern das tun, was der "Jüngling" ihnen gesagt hat: Sie machen sich auf den Weg, gehen weg vom Grab. Dann erst begegnen sie dem Auferstandenen.

Für mich heißt das, dass grundlegende Veränderungen uns zwar massiv verunsichern können, aber das auch Neues entsteht. Dem begegnen wir allerdings nicht, indem wir uns an das Alte, das Grab, klammern. Wir müssen aufbrechen. Das gilt nicht zuletzt auch für uns als Kirche, denn auch für uns wird es kein einfaches "weiter so" geben können, in mehrfacher Hinsicht.

Neues wagen, aufbrechen, das aber nicht allein, sondern als Gemeinde Jesu Christi, das ist das Gebot der Stunde. Dazu gehört auch praktische Hilfe für die, die Hilfe brauchen. Dazu gehört gelebte Gemeinschaft in der Nachfolge Jesu Christi, viel intensiver, als wir das bisher kannten. Weg vom "Grab", in Bewegung kommen und so unseren auferstandenen Herrn mitten in dieser Welt erfahren, das heißt Ostern jetzt. Denn wenn wir bekennen, dass wir auf das Leben zugehen, auch über den Tod hinaus, dann muss das heute unter uns erfahrbar werden.

Ja, wir gehen auf das Leben zu. Leben aber heißt Veränderung. Fangen wir jetzt damit an.

Ihr Matthias Kunze

19.04.2020 - Livestream Sonntag Quasimodogeniti - Zionskirche Dresden

Gottesdienst aus der Ev.-Luth. Zionskirche Dresden.

Es predigt Pfarrerin Karin Großmann, musikalisch begleitet u. a. von André Engelbrecht.

 

Die Kollekte, die am Gründonnerstag in unseren Kirchen gesammelt würde, ist für die Arbeit der eigenen Gemeinde vor Ort bestimmt. Falls Sie eine Spende geben wollen, freuen wir uns, wenn sie diese auf unser Kirchspielkonto überweisen.

Spendenkonto

Kontoinhaber: Kassenverwaltung Dresden
IBAN: DE06 3506 0190 1667 2090 28
BIC: GENODED1DKD
bei der LKG Sachsen, Bank für Kirche und Diakonie
Verwendungszweck: RT 1081 Kollekte 19.04.2020

18.04.2020 - Osterlicht Licht der Welt - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

Am Anfang dieser Woche haben wir die Osterkerzen angezündet, seitdem zeigen sie uns immer wieder neu das
Licht der Auferstehung, das Licht des Lebens. Sie erinnern uns an Jesus Christus, den Auferstandenen, der von
sich gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt. Wer an mich glaubt, wird nicht im Dunkeln tappen, sondern hat Licht
zum Leben.
Auf dieses Licht dürfen wir schauen, jetzt in der Osterzeit; und jetzt, wo viele sich im Dunkel von Angst,
Einsamkeit, Existenzsorgen, Konflikten, Überanstrengung fühlen. Gerade darin sind wir eingeladen, auf das Licht
zu sehen. Wir wünschen uns ja Lichtzeichen, Hoffnungszeichen, Lebenszeichen. Die Osterkerze ist eines davon.
Wir müssen das Licht für unser Leben nicht selber hervorbringen. Wir dürfen es bei Gott, bei Jesus Christus
suchen – und finden. Es gibt uns Orientierung, Mut, Halt, Freude, Kraft.
Wo wir uns mehr Licht wünschen, können wir es vielleicht machen wie die Sonnenblumen. Sie wenden sich
immer dem vorhandenen Licht zu. So können auch wir auf das Licht sehen, was da ist, statt auf das Dunkel zu
starren, uns damit zu beschäftigen, darüber zu reden. Leicht ist das nicht, denn das Dunkel scheint oft präsenter,
wichtiger, stärker zu sein als das Helle. Und es darf auch nicht totgeschwiegen oder kleingeredet werden – aber
eben auch nicht großgemacht. Es ist immer wieder neu meine Entscheidung, ob ich mich davon bestimmen lasse
– oder ob ich mich wieder dem Licht-vollen, dem Licht Gottes, dem Licht der Auferstehung zuwende. Das kostet
Energie, aber nicht mehr Kraft als es verbraucht „im Dunkel herumzutappen“. Natürlich lese oder höre ich täglich
aktuelle Nachrichten aus der Welt. Doch ich sehe darauf, mich nicht zu viel damit zu beschäftigen, sondern mich
der Osterbotschaft zuzuwenden: Jesus Christus ist auferstanden! Gott schenkt Leben! Gott schenkt es auch uns
– jetzt und hier. Da sind die Frühlingssonne, das wachsende Grün, die aufblühenden Sträucher, Bäume und
Blumen; da sind die Evangelien mit der Osterbotschaft, die Osterkantaten von Bach; da sind Menschen, die an
mich denken und für mich beten; da sind zahllose Menschen um uns herum, die für andere sorgen, sie pflegen
und trösten. In alldem finde ich Leben, finde ich Liebe, finde ich Gott. In alldem sehe ich das Licht der Welt. Es
leuchtet für uns Menschen, auch in den dunkelsten Stunden und Zeiten noch. Und das Licht für die Welt strahlt
aus Menschen, die füreinander da sind, die sich zuwinken, die eine Nachricht oder einen Brief schreiben, die
telefonieren oder einen Gruß vor eine Tür stellen, die eine Osterkerze anzünden und beten.
Denn das Licht der Welt will weiterleuchten durch uns, in unsere Welt und ihre Dunkelheiten hinein. Jesus sagt
zu uns: Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht leuchten! Wir können selber Licht sein: indem wir hinweisen
auf vorhandene Lichtblicke, auf Lichtzeichen in unserer Welt, indem wir einladen ins Licht des Auferstandenen,
ins Licht Gottes. So verstehe ich Jesus, wenn er sagt: Stellt euer Licht nicht unter den Scheffel, sondern setzt es
auf einen Leuchter, damit andere es sehen und Gott danken.
Wir wissen, wieviel Licht von einer einzelnen Kerze ausstrahlt, wenn sie angezündet wird. Da bleibt kein Raum
mehr für das Dunkel. Es wird durch das Licht ausgefüllt. Wenn Jesus sagt. Ihr seid das Licht der Welt, dann ist
das kein Imperativ: ihr müsst, oder ihr sollt… Es ist ein Indikativ, eine ermutigende, stärkende, frohmachende
Botschaft. Wir dürfen Gottes und unser Licht in dieser Welt zeigen, denn wir sind als Töchter und Söhne Gottes ja
Kinder des Lichtes.
Pfarrerin Dorothee Fleischhack

16.04.2020 - Stationen - Pfarrer Matthias Kunze

Laut Kirchenjahr liegt Ostern hinter uns und doch gehen wir auf Ostern zu - das ist und bleibt die gute Nachricht, unabhängig vom Kirchenjahr. Dabei gleicht unser Leben dem Weg der Emmaus-Jünger dahingehend, dass auch wir immer wieder die vier Stationen der Nachfolge durchlaufen:

1. Station: Wir wissen alles - und gehen weg.
Das tun die Emmaus-Jünger. Sie sind über Kreuz und Auferstehung Jesu Christi informiert, aber es berührt sie nicht. Zwischen ihrem Alltag und dieser Botschaft gibt es keine Verbindung. Und ihr Alltag hat jetzt Vorrang. Es muss ja weitergehen. Deshalb kehren sie Jerusalem den Rücken zu. Sie wollen ihr altes Leben wieder aufnehmen.

2. Station: Wir kommen nicht los von dieser Botschaft - sie hat sich uns eingeprägt.
Die Emmaus-Jünger reden im Weggehen über das, wovon sie weggehen. Sie können nicht anders, sie sind geprägt von diesem Jesus, der der Christus ist. Die Botschaft läßt sie nicht los, weil in ihnen "etwas anspringt" auf diese Botschaft hin, weil sie ahnen, dass diese Botschaft etwas mit ihnen zu tun haben könnte.

3. Station: Wir entdecken, dass diese Botschaft uns betrifft.
Ein Dritter gesellt sich zu den beiden Emmaus-Jüngern. Später werden sie sagen: "Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete?". Er legt ihnen die Schrift aus und sie erfahren: Wir sind gemeint. Es geht um unser Leben, um unser Sterben und um unser Auferstehen.

4. Station: Wir erfahren den Auferstandenen - mitten in unserem Leben.
Beim gemeinsamen Mahl heißt es: "Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn." Die Ahnung wird zur Gewissheit. Jesus Christus, als Person, zerreißt unseren Todeshorizont. Wir gehen auf das Leben zu - wir gehen auf unser Ostern zu. Mein Eindruck ist, so wie wir immer wieder das Kirchenjahr durchlaufen, so durchlaufen wir immer wieder diese vier Stationen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder zur vierten Station gelangen - in und mit der Gemeinde, denn wir sind gemeinsam unterwegs, auch und gerade in diesen sehr speziellen Zeiten. Bleiben Sie behütet.

Wie gesagt, wir gehen auf Ostern zu.

Ihr Matthias Kunze

15.04.2020 - Leben im Vergleich - Pfarrer Martin Krautwurst (Meran)
In Verbundenheit mit Menschen in von der Corona-Krise besonders betroffenen Ländern stellen wir heute wieder eine Gast-Andacht aus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Meran, Südtirol, Italien, zur Verfügung. (Eckehard Möller)

Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. (Deuteronomium 2,7 Losung)

Paulus schreibt: In allen erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Bedrängnissen, in Nöten, in Ängsten; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben. (2. Korinther 6,4.10 Lehrtext)

Wie war Dein Osterfest? Ist es dem gerecht geworden, was du für dich erhofft und dir gewünscht hast? Oder ist es deinen Erwartungen nicht gerecht geworden? Es war und bleibt ein besonderes Fest, nicht nur wegen der weltweiten Ausnahmesituation. Die Frage bleibt doch, mit wem und mit was vergleiche ich mich, mein Leben und meine Ansprüche? Der Apostel Paulus führt uns im heutigen Lehrtext gut vor Augen, dass wir viel mehr haben, als wir wirklich brauchen. Wir können trotz aller Bedrängnis, Not, Angst und Traurigkeit „allzeit fröhlich“ sein. Es kommt darauf an, mit wem und an was wir unser Leben orientieren? Als Alternative zu meinen Umständen schaue ich in die Welt. Da sehe ich die Menschen in den Flüchtlingslagern, die unter erbärmlichen Umständen auf engstem Raum leben müssen. Ich sehe die Menschen in ihren provisorischen Behausungen in den Kriegsgebieten wie Syrien, denen der schreckliche Krieg die Häuser und Wohnungen und mehr genommen hat. Mein Blick wandert in die Krankenhäuser, Pflegeheime und Notwohnunterkünfte, in denen der furchtbare Virus sein Unwesen treibt. Und dann richte ich mein Blick wieder auf die eigenen vier Wände und werde ruhig und zufrieden.

Ich bat um Kraft und mir wurden Schwierigkeiten gegeben, um mich stark zu machen. Ich bat um Weisheit und mir begegneten Probleme, bei deren Lösung ich Weisheit erlangte. Ich bat um Wohlstand und mir wurde ein Kopf zum Denken und die Kraft zum Wirken gegeben. Ich bat um Mut und mir wurden Hindernisse in den Weg gelegt, bei deren Überwindung ich mutig wurde. Ich bat um Liebe und mir wurden besorgte, unruhige und ängstliche Menschen mit Problemen an die Seite gestellt, um ihnen beizustehen. Ich bat um gute Entscheidungen und mir wurden Gelegenheiten dazu gegeben.

Ich bekam nie was ich wollte, aber ich bekam alles was ich brauchte. Der Herr, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt. (Deuteronomium 2,7)
Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen,
Ihr Pfr. Martin Krautwurst

…ich bat um mehr Ordnung in meinen Akten und Ordnern und mir wurde Zeit zum Sortieren geschenkt!“ (Tipp für diese Woche!)

14.04.2020 - Osterjubel

Osterjubel

Jetzt ist der Himmel aufgetan,
jetzt hat er wahres Licht!
Jetzt schauet Gott uns wieder an
mit gnädigem Gesicht.
Jetzt scheinet die Sonne
der ewigen Wonne!
Jetzt lachen die Felder,
jetzt jauchzen die Wälder,
jetzt ist man voller Fröhlichkeit.

Jetzt ist die Welt voll Herrlichkeit
und voller Ruhm und Preis.
Jetzt ist die wahre, goldne Zeit
wie einst im Paradeis.
Drum lasset uns singen
mit Jauchzen und Klingen,
frohlocken und freuen;
Gott in der Höh sei Lob und Ehr.

Jesus, du Heiland aller Welt,
dir dank ich Tag und Nacht,
daß du dich hast zu uns gesellt
und diesen Jubel bracht.
Du hast uns befreiet,
die Erde erneuet,
den Himmel gesenket,
dich selbst uns geschenket,
dir, Jesus, sei Ehre und Preis.

 

Johannes Scheffler, genannt Angelus Silesius,
Breslau 1624 - 1677

herausgesucht von Frauke Fähndrich

13.04.2020 - Ein Osterspaziergang - Pfarrer Eckehard Möller

Ein Osterspaziergang Mt. Lk 24, 13-50

Vielen von Ihnen wird diese Geschichte bekannt sein, wird sie doch immer am Ostermontag in den Gottesdiensten vorgelesen:

Da zogen zwei Jünger aus der Stadt. Sie wollten ins nächste Dorf knapp 7 km entfernt. Unterwegs gesellt sich ein weiterer Wanderer zu ihnen. Man kommt miteinander ins Gespräch. Sie erzählen von ihrer Traurigkeit und Ratlosigkeit. Ihr bester Freund wäre hingerichtet worden. Einige Frauen aus ihrem Bekanntenkreis hätten sie nun vollends verwirrt mit dem Bericht, dass jetzt auch noch sein Grab leer sei. Und irgendetwas von einem Engel angedeutet. Nicht gerade hilfreich.

Da dreht sich die Situation. Auf einmal erzählt der Wanderfreund. Er versucht das soeben Gehörte zu deuten und in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Gespannt hören sie zu. Der Weg durch die Hitze des Nachmittags vergeht wie im Flug – schon erreichen sie ihr Ziel. Voller Begeisterung laden sie ihren Weggefährten ein, doch auch den Abend mit ihnen zu verbringen. Seltsamerweise übernimmt jener am Tisch die Rolle des Hausherrn: Er segnet und teilt das Brot.

In diesem Moment scheinen die beiden in ihrem Gegenüber Jesus zu erkennen – aber da ist er vor ihren Augen verschwunden. Jedoch fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: Vor lauter Trauer waren wir blind, haben in unserer selbst auferlegten Hoffnungslosigkeit nicht einmal mehr das Einfachste und Wesentliche erkannt. Das war Jesus! Sie können nicht an sich halten. Das müssen sie den anderen erzählen. Noch zur selben Stunde brechen sie auf zum Rückweg durch die Nacht: das müssen sie den Anderen erzählen!

Diese Schilderung macht eines deutlich: Auferstehung ist nicht eine reine Wiederbelebung. Sonst könnte Jesus nicht einfach plötzlich vor ihren Augen verschwinden.

Vor allem aber ist diese Erzählung eine wunderbare Parallele zu unserem Leben und unserem Gottesdienstbesuch. Kommen wir da nicht auch an einem Sonn- oder Feiertag voll gefüllt mit den Problemen unseres Alltags in eine Kirche? Wir tauschen uns aus, erzählen, bringen unsere Erlebnisse und Erkenntnisse mit. Und treffen auf andere, mit denen wir ins Gespräch kommen.

Dann hören wir zu. Manchmal kann allein die Lesung eines Bibeltextes erhellend auf meine Alltagssituation sein, auf mich wie eine Eingebung, eine Lichtquelle wirken.

Schließlich feiern wir Abendmahl. Im gewohnten Ritus. Es wird Gott gedankt für Brot und Wein, das Brot gebrochen und ausgeteilt, der Kelch herumgereicht. Wir haben den Eindruck, dass Jesus als der Auferstandene jetzt in unserer Mitte ist. Aber er ist für uns nicht sichtbar.

Zum Schluss gehen wir hinaus. Hoffentlich ebenso angefüllt wie die beiden Jünger. Beseelt, anderen Menschen zu erzählen, oder sie es wenigstens an unserer Ausstrahlung spüren zu lassen. Ich habe da etwas erlebt, was ich gern mit dir teilen würde. So mache ich mich auf zurück in mein gewohntes Umfeld.

Ich freue mich auf die Zeit, wenn dies alles wieder so möglich sein wird. Wenn wir uns wieder vor dem Altar versammeln, freudig ansehen, und uns den Frieden Gottes gegenseitig zusprechen.

Amen

Eckehard Möller

12.04.2020 - Livestream Ostergottesdienst - Nikolaikirche Leipzig

Die Kollekte die diesen Ostersonntag in unseren Kirchen gesammelt würde, ist für die Jugendarbeit der eigenen Gemeinde vor Ort und der Landeskirche bestimmt. Falls Sie eine Spende geben wollen, freuen wir uns, wenn sie diese auf unser Kirchspielkonto überweisen.

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Verwendungszweck: RT 1081 Kollekte 12.04.2020

11.04.2020 - In der Mitte der Nacht - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

„In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags…“. Mit diesem Lied haben wir in meiner früheren Gemeinde oft die Auferstehungsfeier in der Osternacht begonnen. Nach einem Fußweg durch die Nacht oder Morgendämmerung haben wir in der dunklen stillen Kirche die Melodie gesummt. Nach und nach haben wir in die Liedstrophen eingestimmt und auf das Osterlicht, auf das Entzünden der großen und dann unserer kleinen Osterkerzen gewartet. „In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags / und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung… Ich will Licht sehn in der Dunkelheit... Ich will Licht sein, wenn die Nacht dich schreckt… Lasst uns Licht sehn…“

In diesem Jahr müssen wir ohne die gemeinsame Feier der Osternacht in den Auferstehungstag gehen, und auch dann werden wir nach dem Geläut um 10 Uhr je für uns zu Hause in unseren Wohnungen unsere Osterkerze entzünden und singen: „Christ ist erstanden!“ Das ist völlig ungewohnt und sehr schmerzlich für viele von uns. Doch wir werden miteinander verbunden sein: Im Herzen, beim Singen am offenen Fenster und im Gebet zu Gott, der neues Leben schenkt. Auch in diesem Jahr, und gerade in unserer jetzigen Situation, sehnen wir uns nach Licht. Wir warten und hoffen auf Zeichen des neuen Lebens – in aller Angst und Einsamkeit, in allen Sorgen und Unsicherheiten.

Ich bin das Licht der Welt, sagt uns Jesus Christus, dessen Auferstehung wir feiern werden. Wer an mich glaubt, wird nicht im Dunkel bleiben, sondern wird das Licht des Lebens haben! Er selber ist durch die Dunkelheiten hindurchgegangen, die Menschen erleben: Armut, Flucht, Einsamkeit, Hunger, Unverstanden sein, Obdachlosigkeit, Schmerz, Angst, Folter, Sterben und Tod. In der Karwoche sind wir seinem Leiden nachgegangen und haben an das Leiden von Menschen gedacht. Gott hat ihn durch das Dunkel der Nacht hindurchgeführt, hat Jesus auferstehen lassen zu neuem Leben. In der Osternacht, in der früher oft die Menschen getauft wurden – ins neue Leben mit Christus hinein, gehen auch wir nun auf Ostern zu. Wir hoffen auf neues Leben, für uns selber und für die Menschen um uns herum, für unsere Welt. Wir bitten Gott darum.

Und dann lasst uns Ostern feiern, den Anfang eines neuen Tages, die Erinnerung an unsere Taufe, die Hoffnung, und das neue Leben, das um uns herum schon grünt und wächst und blüht. Auch wenn wir es diesmal gefühlt allein tun – wir sind verbunden. Und vor allem: Der Auferstandene, Jesus Christus, und in ihm Gott selbst, wird bei uns sein! Ich wünsche Ihnen, uns allen, dass wir etwas davon erleben dürfen!

„In der Mitte der Nacht liegt der Anfang eines neuen Tags, und in ihrer dunklen Erde blüht die Hoffnung“!

Ihre Pfarrerin Dorothee Fleischhack

10.04.2020 - gestern heute übermorgen - Pfarrer Eckehard Möller

Gestern hatten sie noch zusammengesessen. Gestern war ihre Welt noch in Ordnung. Sie hatten miteinander das Paschamahl gehalten. So, wie sie es gewohnt waren. So, wie es üblich war. So, wie sie es erwartet hatten. Nach den alten Ritualen. Es wurde gekocht und vorbereitet. Es wurden die alten Geschichten erzählt und miteinander Bibeltexte rezitiert. Das Brot stand bereit. Jesus hatte es genommen, Gott gedankt, es gebrochen und unter ihnen verteilt. An den bestimmten Stellen des festgefügten Ablaufs hatten sie die Weinkelche genommen, Gott gedankt und daraus getrunken. Ein wenig hatten sie sich schon gewundert, was Jesus dazu gesagt hatte. Aber sie hatten dem keine größere Bedeutung zugemessen.

Doch spät am Abend war Jesus verhaftet worden. Irgendwie ohne Vorwarnung. Dann ging alles ganz schnell. Über Nacht wurde er verhört, dann verurteilt, und heute gegen Mittag bereits gekreuzigt. Hingerichtet. In der neunten Stunde war er gestorben. Nach heutiger Zeitrechnung 15 Uhr.

Auf einmal war ihre Welt aus den Fugen geraten. Nichts war mehr so wie bisher. Der, auf den sie gehofft hatten, war tot. Der, an den sie geglaubt hatten, war zum Verbrecher abgeurteilt worden. Ihre Welt brach zusammen.

Jetzt plagten sie Zweifel. Die Angst ging unter ihnen um. Angst um das nackte Leben. Hoffnung war zum Fremdwort geworden. Euphorie war Orientierungslosigkeit gewichen. Zukunftspläne erstarrten in Depression. Nach menschlichem Ermessen war alles nur noch schlecht und konnte nur noch schlimmer werden.

2.000 Jahre später. Wir wissen, wie es weitergegangen ist. Das übermorgen die Welt ganz anders aussah. Das etwas passiert war, womit niemand rechnen konnte. Etwas ganz Unglaubliches, noch heute Unfassbares. So unvorstellbar, dass man nicht darauf hoffen konnte.

Aus einer Katastrophe war etwas Gutes, Wunderbares erwachsen. Aber das erfahren wir eben erst übermorgen. Auch heute noch.

Amen

09.04.2020 - Wach bleiben - Superintendent Albrecht Nollau

Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.
Und er sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir! Mt. 26, 36.38b

Es ist eine beeindruckend stille und intensive Szene, die traditionell an den Abend vor Karfreitag gehört. Jesus zieht sich mit seinen Jüngern in einen kleinen Olivenhain nahe bei Jerusalem zurück. Die Bibel verschweigt nicht, dass er voller Unruhe und Sorge ist, vor dem, was auf ihn zukommt. Er sucht sich das Leiden nicht, aber er weicht ihm auch nicht aus. Er zeigt sich nicht als der entschlossene Held, sondern als Mensch, der jetzt die Nähe seiner Freunde braucht. Er bittet sie um nicht mehr als um ihre Gegenwart. Kein Aktionismus, keine großen Gesten, keine Treueschwüre. Alles das braucht er nicht. Er braucht ihre Begleitung, ihre Präsenz.

Ich lerne an dieser Geschichte immer wieder, wie wichtig es ist, einfach bei einem Menschen zu bleiben, der in Not ist. Oft denken wir: Was können wir jetzt tun, wie können wir für den anderen oder die andere aktiv werden. Oder wir leiden gerade darunter, dass wir nichts mehr tun können.

Es ist leider wahr: Wir können einem Menschen seine Angst nicht einfach wegnehmen. Wir können einem Menschen auch das Sterben nicht abnehmen. Aber wir können bei ihm bleiben, damit er nicht einsam wird.

Bleibt bei mir! So bittet Jesus seine Jünger. Nicht mehr und nicht weniger.

Manchmal sagt ein lieber Mensch das auch zu uns. „Geh jetzt nicht weg.“

Manchmal sagte er es nicht und hofft es doch in seinem Herzen, dass wir ihn nicht allein lassen.

Einfach nur da sein, kann so viel sein.

Albrecht Nollau

09.04.2020 - Livestream Gründonnerstag - Diakonissenhauskirche

Livestream-Gottesdienst zum Gründonnerstag aus der Diakonissenhauskirche Dresden ein. Landesbischof Tobias Bilz wird predigen und das Agapemahl mit den Menschen zu Hause feiern.

Informationen zum Agapemahl

Teilen Sie Ihr Agapemahl auch mit anderen. Posten Sie ein Bild von Ihrem gedeckten Tisch unter dem Hashtag #liebeteilen

Die Kollekte, die am Gründonnerstag in unseren Kirchen gesammelt würde, ist für die Arbeit der eigenen Gemeinde vor Ort bestimmt. Falls Sie eine Spende geben wollen, freuen wir uns, wenn sie diese auf unser Kirchspielkonto überweisen.

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08.04.2020 - Stille - Pfarrerin Frauke Fähndrich

Wir befinden uns seit (Palm-) Sonntag in der sogenannten „Stillen Woche“.

Still ist es hier bei mir zuhause gerade ganz und gar nicht, während ich diese Andacht schreibe. Passend fängt draußen die Müllabfuhr gerade in dem Moment an zu lärmen, als ich versuche, mich in die notwendige Stille und Konzentration für diesen Text zu versetzen. Dazu stellt sich noch meine Katze neben mich und fordert lautstark meine Aufmerksamkeit ein. Es passt ihr wahrscheinlich nicht, dass ich mich jetzt Ihnen, liebe Leser*innen, widmen möchte. Vielleicht denkt sich Gott aber auch, dass ich eine größere Herausforderung brauche. Über Stille in der Stille schreiben wäre vielleicht zu einfach.
Toll, jetzt fliegt ein Hubschrauber über mich hinweg. Sicher Richtung Klinikum auf der anderen Elbseite. Ich bete dann immer für die Beteiligten. Den oder die Kranken oder Verletzten und die Menschen, die ihnen helfen. Wenn ich Blaulicht sehe oder ein Martinshorn höre, mache ich das auch. – Okay, dieser Sofortausstieg aus der Stille bevor der Einstieg überhaupt gelang, ist der Not und dem sinnvollen Ritual geschuldet. Hoffentlich sind hier nicht bald durch COVID 19 viel mehr Rettungshubschrauber und Krankenwagen unterwegs als üblich. Nochmal beten…

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Psalm 62,2

Sille bewusst zu suchen und zu erleben ist nicht einfach. Für die wenigsten Menschen. Doch wir können es üben. Scheitern ist dabei keine Schande. Vielleicht herrscht um mich herum oder in mir drinnen zu starker Aufruhr, ist einfach zu viel in Bewegung. Dann gelingt es beim nächsten Mal schon etwas besser. Oder beim übernächsten.

Die folgende Anleitung kann dabei helfen:

STILL WERDEN

  • Minuten Zeit nehmen
  • Das Telefon ausschalten
  • Eine Decke mitnehmen
  • Eine bequeme Sitzhaltung einnehmen
  • Stille aushalten
  • Stille bewusst erleben
  • Fühlen – Gedanken zulassen – beten

Ich stelle mir vor, dass die Jünger Jesu spätestens am Karsamstag still waren. Vermutlich fehlten ihnen in ihrer Trauer und ihrem Entsetzen über den Tod ihres Herrn die Worte. Keine Stille, die sie genießen konnten. Keine Stille zum Aufatmen. Eine leidvolle Stille war das. In diese konnte Gott dann aber umso deutlicher mit seiner Auferstehungsbotschaft sprechen.

Stille und Alleinsein kann uns zu besonderen Erfahrungen leiten. Jesus Christus hat die Stille gesucht. Immer wieder hat er sich von der Menge an Menschen, die ihn hören wollten und auch von seinen engsten Anhängern zurückgezogen. Einmal ist er für 40 Tage in die Wüste gegangen. Dort wurde er, so beschreibt es das Lukasevangelium, vom Teufel versucht (Lk 4, 1-13). Manchmal erscheint uns die Stille bedrohlich. Was kommt da alles hoch, wenn ich mich nicht mehr ablenke? Welche „Teufel“ in Form negativer Gedanken und Gefühlen tauchen da auf? Welche Ängste? Welche Sorgen? Welche Versuchungen? Gerade wenn ich mit mir allein bin, entdecke ich auch unangenehme Seiten an mir selbst, von denen ich mich sonst gerne ablenken lasse.
Aber in der Stille kann ich auch Gott begegnen. Diesem Gott, der mit all meinen Schattenseiten leben kann. Wenn ich die Stille bewusst mit ihm gemeinsam aushalte, dann kann ich auch erleben, dass er stärker ist als alle meine Ängste.
Viele Gottesbegegnungen entstehen in der Stille!
Der Prophet Elia hatte Gottes Wirken in großen Wundern erlebt. Dann trachtete man ihm nach dem Leben. Er zog sich zurück und wollte sterben. Er wartete auf ein Zeichen von Gott. Es kamen ein Sturm, ein Erdbeben und ein Feuer. Gott aber war nicht darin. Er begegnete Elia in einem „stillen sanften Sausen.“ (1. Kön 19, 1-16). Wie oft warte ich auf ein Zeichen, eine Antwort Gottes? Wie oft fällt es mir schwer sie zu hören? Dabei ist Gott doch schon längst, da und ich muss nur (neu) lernen, still zu sein und aufmerksam zu werden.

Ich lade Sie ein zum Gebet:

Gott, oft fällt es mir schwer, Stille auszuhalten und Ruhe zu finden. Dass ich keine Zeit zum Beten habe, ist oft auch eine Ausrede. Hilf mir inne zu halten, still zu werden und neu auf dich zu hören! AMEN

Frauke Fähndrich

07.04.2020 - Schuldfrage - Pfarrer Matthias Kunze

Die Frage, wer denn nun schuld ist, taucht besonders gern in Krisenzeiten wie diesen auf. Offensichtlich bringt es uns eine gewisse Erleichterung, wenn wir feststellen können, dass andere schuld, oder zumindest schuldiger sind, als wir selbst. Hier spielt unser Bedürfnis eine Rolle, einen Sündenbock zu finden, der uns entlastet. Gleichzeitig können wir an dem Glauben festhalten, dass uns „das“ nicht passieren kann, weil wir uns ganz anders verhalten, nicht so verantwortungslos, etc. – kurz, weil wir uns nicht schuldig machen.

Das alles ist sehr menschlich und war schon vor 2000 Jahren so. So kommen eines Tages Leute zu Jesus und berichten, dass Pilatus (ja, eben dieser) fromme, jüdische Pilger habe massakrieren lassen. Im Hintergrund steht die Frage, ob diese Pilger nicht in irgendeiner Weise selbst schuld seien an ihrem Schicksal. War das etwa ein Strafgericht Gottes?

Die Antwort Jesu ist ein klares Nein. Und er bringt, rhetorisch geschickt, noch ein zweites Beispiel aus der damals aktuellen Tagespolitik. Ein Befestigungsturm der Jerusalemer Stadtmauer war eingestürzt und hatte 18 Menschen erschlagen. Sollten die etwa auch schuld an ihrem Tod sein? Sollte das eine Strafe Gottes gewesen sein? Für Jesus eine absurde Vorstellung.

Stattdessen ruft Jesus alle seine Zuhörer zur „Buße“ auf, also zur Umkehr. Ohne Umkehr, so Jesus, könne jedem seiner Zuhörer das gleiche geschehen.

Für mich heißt das, dass die Frage nach dem Schuldigen, oder der Schuld Einzelner, ins Leere führt. Dieses Denken ist vielleicht psychologisch nachvollziehbar, bringt uns aber in der Sache nicht voran. Es geht um Umkehr, unsere Umkehr. Die ist sicher in vielerlei Hinsicht nötig, doch was Jesus hier meint, ist die Wiederentdeckung der Grundkoordinaten unseres Lebens.

Zu diesen Grundkoordinaten gehört die simple Erkenntnis, dass wir nicht Gott sind. Wir verdanken uns, unser Leben und unsere Lebenszeit Gott. Wir sind Beschenkte. Und auch wie wir mit diesem Geschenk umgehen, ist nicht uns überlassen. Da Gott, der laut der Bibel die Liebe ist, uns das Leben geschenkt hat, sollen wir unsere Lebenszeit für das einsetzen, was dem Leben dient, in Liebe.

Wie das in unsere aktuelle Situation zu übersetzen ist, dafür hat Gott uns unseren Verstand geschenkt. Die Grundausrichtung aber ist klar. Das meint Jesus, wenn er von Buße spricht – eine Sache, die gar nicht so altmodisch ist, wie das Wort klingt.

Ihr Matthias Kunze

06.04.2020 - Entängstigt euch - Pfarrer Michael Schubert

Wir warten auf dich, Herr, auch auf dem Weg deiner Gerichte…“ (Jesaja 26,8).

Für mich trifft dieses Wort in unsere gegenwärtige Situation, und zwar in doppelter Weise: Zum einen beschreibt es das, was ist und zum anderen das, was zu tun ist. Wir leben in „ver-rückten“ Zeiten. Innerhalb weniger Tage und Wochen können Dinge geschehen, die sich so wohl niemand bei uns hätte vorstellen können. Es kann sich sehr viel „ver-rücken“ und radikal verändern. Vermeintliche Sicherheiten können schwinden. Gewohntes funktioniert nicht mehr. Mit schwindenden Sicherheiten wachsen Unsicherheiten, Ratlosigkeit und irrationale Ängste.

Aber es kommt auch zu überraschender Kreativität, neue Formen des Miteinanders entstehen. Neben den erforderlichen medizinischen und organisatorischen Reaktionen auf die gegenwärtige Ausbreitung der Corona-Infektion, wird es besonders wichtig sein, dass wir als Christen geistlich wach, unerschrocken, unaufgeregt und in alledem demütig und voller Hoffnung präsent sind.

Gott ist da! Er bleibt der himmlische Vater, der für uns und unser Leben sorgen wird. Jesus ist mit im Boot! Wir dürfen ihm glauben und vertrauen, denn er spricht uns zu: „Habt keine Angst, ich bin bei euch! Ich bin stärker als der Sturm.“ Der Heilige Geist ist mitten unter uns und vermittelt uns, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann. - Das zu glauben und mit Wort und Tat zu bezeugen wird eine der wichtigsten und bleibenden Herausforderungen in diesen Tagen und Wochen sein. Denn das können nur wir Christen. Alles andere können andere auch.

Paul Zulehner prägte vor einigen Jahren im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise das Wort: „Entängstigt euch!“ Dieses Wort gilt unverändert, wenn auch gegenwärtig in anderem Zusammenhang. Auch jetzt gilt: Wir sind nicht Opfer eines unbekannten und unsichtbaren Gegners, sondern stehen in und unter der Hand Gottes. Selbst dann, wenn Gott richtet oder Krisen zulässt, geschieht dies immer mit liebender Absicht und mit dem Ziel, dass Herzen und Verhältnisse wieder in Ordnung kommen. Darum lasst uns in dieser Krise Gott neu suchen und auf ihn „warten“.
Michael Schubert

05.04.2020 - Livestream - Dreikönigskirche Dresden

Diesen Sonntag sind Sie herzlich eingeladen, den Gottesdienst aus der Dreikönigskirche bei uns im Kirchspiel als Teil der "Online-Gemeinde" von zu Hause aus mitzufeiern. Den Gottesdienstablauf können Sie hier herunterladen.

Predigt : OLKRin Margrit Klatte
Liturgin: Pfarrerin Frauke Fähndrich

Die Kollekte wird an diesem Sonntag für die eigene Gemeinde gesammelt.
Falls Sie eine Spende geben wollen, freuen wir uns, wenn sie diese auf unser Kirchspielkonto überweisen.

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Verwendungszweck: RT 1081 Kollekte 05.04.2020

04.04.2020 Paschafest - Pfarrer Eckehard Möller

Mindestens einmal im Jahr sitzt die ganze Familie gemeinsam um den Tisch. Jedes Jahr treffen sie sich am gleichen Tag. Am Abend des ersten Frühlingsvollmondes. Und dann feiern sie miteinander. Immer nach dem gleichen Ritus, nach ganz festen Ritualen. An jenem Abend versetzen sie sich hinein in die Rollen ihrer Vorfahren. Sie vollziehen im Spiel eine Geschichte, die Jahrtausende zurück liegt. Es wird viel gegessen an jenem Abend. Nicht irgendetwas, sondern ganz spezielle Speisen. Und viel getrunken. Wein. Aber nicht irgendwann, sondern an ganz bestimmten Stellen der Zeremonie. So stellen sie sich vor, selber jener Teil des Volkes zu sein, der damals in Vorzeiten aus der Sklaverei geflohen war. Aus Ägypten. Und denen unterwegs so viel Verrücktes passiert war: die Flucht trockenen Fußes quer durch das Meer. Die vom Himmel fallenden Vögel zu ihrer Speise. Und etwas Leckeres am Morgen draußen auf dem Boden vor ihren Zelten. Diese Flucht hat ein ganzes Volk geprägt, ihm Identität gegeben. Sie wurde zur grundsätzlichen Erzählung für das Selbstverständnis des Volkes Israel.

So feiern sie miteinander. Jedes Jahr. Als wären sie selber die aus Ägypten Ausziehenden. Für die Einhaltung der Rituale ist der Hausvater verantwortlich. Oder der Leiter einer Gruppe. So war ganz selbstverständlich Jesus zuständig, dieses Fest mit seinen Jüngern zu organisieren und zu feiern. Er verteilte die Aufgaben und leitete an.

Christen in Mitteleuropa sind eher gewöhnt, zu Weihnachten groß zu feiern. Dann geht man in die Kirche und weiß, was einen erwartet. Das Krippenspiel, jedes Jahr die gleiche Geschichte. Aber dann gehen wir nach Hause. Und oft hat das in der Kirche Gesehene und Gehörte für den Rest des „Heiligen Abends“ kaum noch Bedeutung.

Genau das ist im Judentum anders. Da geht man nirgendwo hin, um zuzusehen, sondern man wird selber aktiv. In der kleinsten Zelle der Gemeinschaft, in der Familie, zu Hause.

Vielleicht ist es das, was das Judentum über Jahrtausende bewahrt und selbst über schlimmste Krisenzeiten gerettet hat: Das Bewusstsein, selbst in der Vereinzelung, in der Diaspora, dennoch weltweit miteinander verbunden zu sein. In den altbekannten Ritualen. Im Bewusstsein: heute Abend, dem ersten Frühjahrsvollmond, sitzen Juden verstreut über alle Kontinente in ihren Wohnzimmern. Aber alle verbindet ein Gedanke: Heute feiern wir Pessach, Pascha oder auch Passah; die Worte unterscheiden sich ein wenig, aber der Inhalt ist gleich: Die große Erzählung, wie Gott uns gerettet hat. Auch dieser Gedanke schafft Identität und Zusammengehörigkeit: Es geht nicht nur um Erinnerung an Ereignisse, sondern um deren Interpretation: Gott ist unser gemeinsamer Retter. Er ist die Ursache sowohl unserer Entstehung als auch unserer Bewahrung. Selbst, wenn wir über die ganze Welt verstreut oder vereinzelt leben.

Wir Menschen in der Dresdner Neustadt leben nicht über die ganze Welt verstreut. Aber derzeit in unserer häuslichen Diaspora. Ohne Kontaktmöglichkeiten. Auch am Gründonnerstag und Karfreitag, und in diesem Jahr selbst zu Ostern.

Vielleicht können wir etwas lernen von jener jüdischen Überlebensstrategie: Dass wir aus gegebenem Anlass, aus der momentanen Not heraus, dennoch verbunden sind. In unseren Wohnungen. Beim täglichen Geläut der Kirchen im Stadtviertel: jetzt bete nicht nur ich, sondern es beten viele bei sich zu Hause. Vielleicht ebenso an den kommenden Feiertagen: Gründonnerstag, Karfreitag, Osterfest. In dem Bewusstsein, dass da in der Kirche etwas gefeiert wird. In Echtzeit, aber ohne Gemeinde. Die Gemeinde sind wir jeweils zu Hause in unseren Wohnungen. Aber in unseren häuslichen Gemeinschaften können wir miteinander feiern. Anstatt in der Kirche. Das Stück Brot und der Schluck Wein, welche wir zu uns nehmen, sind unser Heiliges Abendmahl. Eingesegnet aus der Ferne am Altar der Kirche, in die ich sonst gegangen wäre. Es geht derzeit nicht anders. Aber es wird gehen. Das Brot des Lebens und der Kelch des Heils – für dich. Das stärke und bewahre euch zum ewigen Leben. Amen

Eckehard Möller
übrigens: Das jüdische Pessach-Fest wird in diesem Jahr ab dem Abend des 8. April 2020 begangen.

03.04.2020 - Kettenreaktion - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

wir erleben aktuell immer wieder Kettenreaktionen, wie zum Beispiel von Ängsten oder von Hamsterkäufen. In diesen Tagen gibt es daneben aber auch Kettenbriefe und –Nachrichten mit ermutigenden Texten oder verbindenden Ideen wie gemeinsames Singen. Da wird sichtbar: Menschen beobachten einander nicht nur vorsichtig oder argwöhnisch, sie haben einander auch im Blick. In der Neustadt hängen Angebote für Nachbarschaftshilfe an den Haustüren und die Telefonnummern von Familienberatungsstellen und Frauenhäusern mit der Bitte, achtsam auf die Menschen nebenan zu bleiben. Wo ich wohne, nehmen sich Leute Zeit zum Gespräch über den Gartenzaun. Wenn ich einen Spaziergang im Freien mache, treffe ich am letzten Grundstück vor dem Feldrand zwei Kinder. Der Dreijährige demonstriert begeistert durch den Zaun seine Plastikkettensäge mit Batteriebetrieb, während seine etwas größere Schwester Feldstiefmütterchen-Sträuße pflückt und verschenkt. Das Lächeln breitet sich bei den Vorbeikommenden aus…

Wir Menschen beeinflussen einander; mit unserer Angst und unserem Misstrauen; und mit unserer Zuversicht und Zu-Gewandtheit auch. Mehr als sonst spüren wir jetzt, wie sehr wir miteinander verbunden sind. Wir sind wie Glieder einer Kette oder wie Teile eines Körpers. Davon erzählt der 1. Brief an die Christinnen und Christen in Korinth im 12. Kapitel:

14Denn auch der menschliche Körper besteht nicht nur aus einem Körperteil, sondern aus vielen. 15Wenn der Fuß sagen würde: »Weil ich keine Hand bin, gehöre ich nicht zum Körper«, gehört er nicht trotzdem dazu? 16Und wenn das Ohr sagen würde: »Weil ich kein Auge bin, gehöre ich nicht zum Körper«, gehört es nicht trotzdem dazu? 17Wenn der ganze Körper Auge wäre, wo bliebe dann das Hören? Wenn der ganze Körper Hören wäre, wo bliebe dann das Riechen? 18Nun hat Gott den Körper aus vielen Teilen zusammengefügt. Jedes einzelne Körperteil gehört nach Gottes Willen dazu. 19Wenn aber alle Teile identisch wären, wo bliebe der Körper? 20Nun gibt es zwar viele Körperteile, aber nur einen Körper. 21Das Auge kann der Hand nicht sagen: »Ich brauche dich nicht«. Auch der Kopf kann zu den Füßen nicht sagen: »Ich brauche euch nicht«. 22Nein! Gerade auf die Körperteile, die unbedeutender zu sein scheinen, kommt es an. 23Den Körperteilen, die wir für weniger beachtenswert halten, lassen wir besondere Achtung zukommen, und bei den Körperteilen, die wir an uns für unanständig halten, achten wir besonders auf Würde. 24Was wir an uns für anständig halten, muss nicht besonders geehrt werden. Gott hat den Körper zusammengefügt und gab dem niedrig gehaltenen Teil umso größere Ehre, 25damit der Körper nicht von einer Grenze durchzogen wird, sondern die Glieder sich gemeinsam umeinander sorgen. 26Und wenn ein Körperteil leidet, leiden alle anderen mit; wenn ein Körperteil geehrt wird, freuen sich die anderen alle mit.
Textauszug aus: Bibel in gerechter Sprache © 2006, Gütersloher Verlagshaus

Wir gehören zusammen wie die Einzelteile unseres menschlichen Körpers. Wir alle sind wichtig. Wir sind als Menschen voneinander abhängig in unterschiedlichster Weise. Und wir können uns alle ständig entscheiden, wofür wir das „nutzen“ wollen.
Welche Nachrichten gebe ich weiter und welche stoppe ich? Wovon erzähle ich?
Natürlich muss ich manchmal auch über meine Ängste reden oder über die Wut. In manchem brauche ich Hilfe, um damit umgehen zu können. Dafür sind Ansprechpartner*innen oder Seelsorge- und Beratungstelefone wichtig.
Und ich kann entscheiden, ob und wie ich meine Mitmenschen anschaue und – auch aus dem gebotenen Abstand – grüße und was ich ihnen weitergebe.

Gott hat uns zum Teil einer Kette oder eines Körpers gemacht. Wir sind nicht allein, auch jetzt nicht, wo es sich immer wieder einmal so anfühlt. Und vor allem: Gott selber ist da, ist bei uns; wie eine einhüllende Decke vielleicht oder wie ein offenes Ohr, eine hilfreiche Hand, wie ein gesummtes Lied oder wie ein Kinderlächeln.

Pfarrerin Dorothee Fleischhack

02.04.2020 - Wege - Pfarrerin Frauke Fähndrich

Unser Leben fährt dahin, als flögen wir davon.
Das ist eine der wesentlichen Erfahrungen. – Die Zeit läuft schnell.
Normalerweise jedenfalls. Nicht in Zeiten von Corona. Alles hat sich verändert.
Manchmal dominiert der Eindruck, die Zeit läuft an einem vorbei oder über einen hinweg und man kommt einfach nicht mit.
Manchmal hat man den Eindruck, man schwimmt mit im großen Strom der Zeit, mitgetrieben, mitgetragen, weil sich alles verändert.
Manchmal herrscht der Eindruck, man zieht an allem schnell vorüber. Wie wenn man im Auto sitzt. Alles huscht vorbei, ist flüchtig. Und man fragt sich, was war hier eigentlich, oder war es das?
Wir alle haben einen mehr oder weniger langen Lebensweg hinter uns.
Und wir sind auch viele Wege gegangen. Viele Schuhe haben sich abgelaufen.
Gute Wege. Da kann man dankbar sein.
Oder manchmal auch seltsame Wege.
Wo man sich im Nachhinein fragt: musste das sein, oder warum nur?
Das alles gehört zum Leben.
Wir Menschen sind unterwegs, durch Zeit und Raum. Wir ziehen gewissermaßen von einem Ort zum andern. Das ist interessant und spannend.

Dazu gibt es eine schöne Geschichte:

Der Landstreicher und der Baum

„Da stehst du nun“, sagt der Landstreicher zum Baum.
„Bist zwar groß und stark, aber was hast du schon vom Leben? Kommst nirgendwo hin. Du kennst den Fluss nicht und nicht die Dörfer hinter dem Berg. Immer stehst du an derselben Stelle! Du kannst einem wirklich leidtun.“
„Da gehst du nun“, sagt der Baum. „Immer bist du unterwegs. Hast keinen Platz, an den du wirklich gehörst. Wo du Wurzeln schlagen kannst. Wo du bleibst und fest stehst. Du kannst einem leidtun!“
Der Landstreicher bleibt stehen. „Hast du das wirklich gesagt?“ fragt er und schaut zum Baum empor.
„Wer sonst?“ sagt der Baum. „Siehst du hier jemanden außer mir?“
„Ne“, sagt der Landstreicher. „Meinst du wirklich, was du sagst? Ich geh´ in die Welt, Tag für Tag, ich kenne die Menschen und die Städte und Dörfer, die Häuser mit den schöngedeckten Dächern“.
„Zu mir kommt die Welt“, sagt der Baum. Der Wind und der Regen, die Eichhörnchen und die Vögel. Und in der Nacht setzt sich der Mond auf meine Zweige.“
„Ja, ja“, sagt der Landstreicher, „aber das Gefühl zu gehen – Schritt für Schritt, das ist es doch.“
„Mag schon sein“, sagt der Baum, „aber das Gefühl zu bleiben – Tag und Nacht“.
„Bleiben“, sagt der Landstreicher nachdenklich. „Zu Hause sein. Ach ja“.
Und der Baum seufzt: Gehen, unterwegs sein können – ach ja.“
„Wurzeln haben“, sagt der Landstreicher, „das muss ein tolles Gefühl sein!“
„Ja, ja“, sagt der Baum, „ganz ruhig und fest ist es. – Und wie lebt man mit den Füßen?“
„Leicht“, sagt der Landstreicher: „flüchtig und schnell“.
„Wenn wir tauschen könnten“ sagte der Baum. „Für eine Weile.“
„Ja“ sagte der Landstreicher, „das wäre schön.“
„Lass uns Freunde sein“, sagt der Baum. Der Landstreicher nickt. „Ich werde wiederkommen“, verspricht er, und ich werde dir vom Gehen erzählen.“
„Und ich“, sagt der Baum, „erzähle dir dann wieder vom Bleiben.“


Wenn Sie eine Rolle in dieser Geschichte spielen sollten, welche würden sie von Herzen spielen? Und wieso?

Natürlich gleichen wir alle eher dem Landstreicher. Weil wir Menschen sind. Und wir sagen manchmal: „es muss weitergehen“ und meinen eigentlich, „wir müssen weitergehen.“

Gerade ist alles anders. Ausnahmezustand. Manche rotieren gerade in den für die Grundversorgung wichtigen Branchen.
Ein großer Teil von uns sieht sich aber plötzlich zwangsweise per Anordnung in die Rolle des Baums verwiesen. Stehenbleiben. Reiseverbot. Besuchsverbot. Stillstand. Oder Anrennen in den eigenen vier Wänden.
Egal, wo und wie, in diesen Tagen und Wochen ist es ein anderes Unterwegssein. Ich denke, dass wir alle es sehr intensiv erleben und bete dafür, dass daraus für uns, unsere Gesellschaft und Weltgemeinschaft Gutes erwächst.  

Gott, segne uns und behüte uns,
lass dein Angesicht leuchten über uns,
wenn wir unterwegs sind
für das Leben auf dieser Erde.
AMEN.

Ihre Pfarrerin Frauke Fähndrich

01.04.2020 - barmherziger Samariter - Pfarrer Matthias Kunze

bis vor wenigen Wochen war unser Leben planbar, sogar Veränderungen waren geplant und kamen somit nicht überraschend. Wir lebten in dem Gefühl, alles im Griff zu haben. Es würde nichts Neues unter der Sonne geben, wenn wir es nicht wollten.

Dass dieses Lebensgefühl nicht der Wirklichkeit dieser Welt entspricht, wussten wir. Doch mit etwas Mühe konnten wir glauben, dass die „Einschläge“, die Abweichungen vom gewohnten und gewollten Ablauf, nur andere betreffen würden. Das ist nun anders.

Auch die Gleichnisse Jesu spiegeln die Wirklichkeit dieser Welt. So erzählt Jesus von einem Mann, der allein unterwegs ist und überfallen und ausgeraubt wird. Sicher war das auch damals nicht der Normalfall, aber es kam und kommt vor – ein Einbruch in unsere geordnete Welt. Der Mann bleibt halbtot liegen und zwei „kirchliche Mitarbeiter“ machen einen großen Bogen um ihn. Der Normalfall? Auf jeden Fall kommt auch das vor, dass „Fromme“ (und „Nicht-Fromme“) die Augen verschließen, um sich ihre heile Welt zu erhalten.

Dann kommt ein „Samariter“ des Weges. Übersetzt in die aktuelle politische Landschaft heißt das: Ein Palästinenser findet einen halbtoten Israeli. Was tut er? Was wäre jetzt normal? Nicht das, was er tut. Denn dieser Palästinenser säubert die Wunden des Israelis, bringt ihn ins nächste Hotel und bezahlt (wohlgemerkt, aus seiner eigenen Tasche) im Voraus für dessen Pflege.

Eine Geschichte voller Überraschungen, voller „Einschläge“ und Abweichungen vom gewohnten Ablauf. Unser Leben eben. Und das besteht nicht nur aus dem Unerwarteten, das in unser Leben einbricht, sondern auch aus unseren unerwarteten Reaktionen. Wir haben die Möglichkeit, gerade in solchen Ausnahmesituationen, uns und andere positiv zu überraschen. Wir können zeigen, was an Kreativität, an Großzügigkeit und Barmherzigkeit in uns steckt, was uns im Tiefsten prägt – und was im genormten Alltag nur gar zu oft verdeckt bleibt.

Begreifen wir doch diese Ausnahmesituation als Chance. Als Chance, ganz neue Seiten an uns selbst und anderen zu entdecken. Als Chance, aufeinander zuzugehen, gerade wenn uns so manches trennt. Als Chance, neu zu entdecken, was wesentlich ist in unserem und für unser Leben. Bleiben wir in diesem Sinne gemeinsam unterwegs. Ich wünsche Ihnen neue, gute Erfahrungen und Gottes Segen für den gemeinsamen Weg.

Ihr
Pfarrer Matthias Kunze

31.03.2020 - Arzt Lombardei - Pfarrer Michael Schubert

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise in Italien hat mich ein bewegender Bericht erreicht. Julian Urban, ein 38 Jahre alter Arzt in der Lombardei in Italien berichtet darüber, wie er die Corona-Krise erlebt und was mit ihm in dieser Zeit geschehen ist: „Niemals in meinen dunkelsten Alpträumen habe ich mir vorgestellt, dass ich sehen und erleben könnte, was hier in unserem Krankenhaus seit drei Wochen geschieht. Der Alptraum fließt, der Fluß wird immer größer und größer. Am Anfang kamen einige von ihnen, dann Dutzende und dann Hunderte, und jetzt sind wir keine Ärzte mehr, sondern wir sind zu Sortierern auf dem Band geworden, und wir entscheiden, wer leben und wer zum Sterben nach Hause geschickt werden soll, obwohl all diese Menschen ihr ganzes Leben lang italienische Steuern gezahlt haben.

Bis vor zwei Wochen waren meine Kollegen und ich Atheisten; das war normal, weil wir Ärzte sind und gelernt haben, dass die Wissenschaft die Gegenwart Gottes ausschließt. Ich habe immer über den Kirchgang meiner Eltern gelacht.

Vor neun Tagen kam ein 75 Jahre alter Pastor zu uns; er war ein freundlicher Mann, er hatte ernsthafte Atembeschwerden, aber er hatte eine Bibel bei sich, und wir waren beeindruckt, dass er sie den Sterbenden vorlas und ihre Hände hielt. Wir waren alle müde, entmutigt, psychisch und physisch erschöpft, als wir Zeit hatten, ihm zuzuhören. Jetzt müssen wir zugeben: Wir als Menschen sind an unsere Grenzen gestoßen, mehr können wir nicht tun, und jeden Tag sterben mehr und mehr Menschen.

Und wir sind erschöpft, wir haben zwei Kollegen, die gestorben sind, und andere sind infiziert worden. Wir haben erkannt, dass dort, wo das, was der Mensch tun kann, endet, wir Gott brauchen, und wir haben begonnen, ihn um Hilfe zu bitten, wenn wir ein paar Minuten Zeit haben; wir reden miteinander und wir können nicht glauben, dass wir als wilde Atheisten jetzt jeden Tag auf der Suche nach unserem Frieden sind und Gott, den Herrn bitten, uns beim Widerstand zu helfen, damit wir uns um die Kranken kümmern können. Gestern starb der 75-jährige Pastor, der bis heute, obwohl wir hier in drei Wochen mehr als 120 Tote hatten und wir alle erschöpft, zerstört waren, es geschafft hatte, uns trotz seines Zustandes und unserer Schwierigkeiten einen FRIEDEN zu bringen, den wir nicht mehr zu finden hofften.

Der Pastor ist zum Herrn gegangen, und bald werden auch wir ihm folgen, wenn es so weiter geht.

Ich war seit 6 Tagen nicht zuhause, ich weiß nicht, wann ich zuletzt gegessen habe, und mir wird meine Nutzlosigkeit auf dieser Erde bewußt, und ich möchte meinen letzten Atemzug der Hilfe für andere widmen. Ich bin glücklich, zu Gott zurückgekehrt zu sein, während ich vom Leiden und Tod meiner Mitmenschen umgeben bin.“

Hört bitte nicht auf zu beten! Unser Gebet bewegt den Arm des allmächtigen Gottes! Und wir machen dabei die Erfahrung, dass ein Friede, der unser Verstehen übersteigt und der tiefer reich als alles andere, in unsere Gedanken und in unser Herz einzieht. Jesus sagt einmal: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ (Johannes 14,27)

Nur Gott kann uns auf seinem starken, liebenden Arm jetzt durch diese Krise hindurch tragen. Und er kann die Krise auch nutzen, damit wir neu nach ihm fragen, uns zu ihm flüchten und in seinem Schoß bergen.

Michael Schubert

30.03.2020 - quaranta vierzig - Pfarrer Martin Krautwurst (Meran)
Aus Italien erreichen uns seit Wochen schlimme Nachrichten. Im Norden scheint das Virus besonders zu grassieren und Todesopfer zu fordern. In Verbundenheit mit den Menschen dort stellen wir Ihnen heute eine Gast-Andacht aus Italien zur Verfügung: aus der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Meran, Südtirol. (Eckehard Möller)

Herr, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles was darauf ist, die Meere und alles was darinnen ist. (Nehemia 9,6 Losung)

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt. (Apg. 14,17 Lehrtext)

Seit nunmehr zwei Wochen schreibe ich diese „Worte zum Tage“, „Worte aus der Quarantäne“ um Menschen in diesen Tagen zu begleiten und ihnen Mut und Hoffnung zu geben. Meine Worte gehen an Menschen die in ihren Wohnzimmern allein und einsam sind, an Paare die sich um ihre Eltern oder Kinder sorgen, an Mütter und Väter die mit ihren Kindern auf engem Raum leben und nicht wissen wie sie diese Tage in „Quarantäne“ bewältigen sollen. Meine Worte richten sich an Mutige und Ängstliche, an Verzweifelte und Hoffnungsvolle, an dich und mich…!

Der Begriff „Quarantäne“ leitet sich vom italienischen Wort „quaranta“ ab, von der Zahl „vierzig“. Es war eine der ersten Zahlen, die ich mir im Italienischkurs einprägen konnte. Ende des 14. Jahrhunderts war es in Venedig und anderen italienischen Häfen üblich, dass „seuchenverdächtigen Ankömmlingen“ die Einfahrt in den Hafen verwehrt wurde und sie erst „quaranta giorni“ (vierzig Tage) isoliert sein mussten, damit sie keinen anstecken konnten. Vierzig Tage auf einem Schiff mit dem Blick auf die Freiheit, das macht etwas mit uns Menschen. Prediger kamen schon damals ans Ufer zu den Schiffen, sangen und beteten mit den „Isolierten“. Sie baten um Gottes Nähe und Beistand, denn die Zeit so vieler Menschen auf so engem Raum, war nicht ungefährlich. Und dann durften sie das Festland endlich betreten und der Gang war für sie wie ein Schritt ins Paradies.

Was geschieht in diesen Tagen im „Himmel und auf Erden“, was macht diese Zeit mit uns? Heute hier, morgen dort, unsere Welt verändert sich und sie wird künftig nicht mehr so sein wie sie einst war. Aber wir werden mit den Veränderungen leben können und trotz aller Entbehrungen und Verluste dürfen wir getrost in die Zukunft schauen, es kommen wieder neue „fruchtbare Zeiten“. Der Blick auf das Wesentliche, das Loslassen von nicht unbedingt Nötigem, die Sehnsucht nach Nähe und Normalität wird wieder Einzug halten, davon bin ich überzeugt.

Trotz neuer Distanzen wird die Nähe zu Gott wachsen. Wertigkeiten verändern sich, der Gang in die Natur, zum Konzert, ins Theater, zum Gottesdienst oder wohin auch immer wird paradiesisch sein. Eine „Freude in meinem Herzen“ wird der Moment sein, in dem ich meine Kinder und Enkel wieder in die Arme schließen kann!

Bleiben Sie in Vorfreude, bleiben Sie behütet und gesund,

Ihr Pfr. Martin Krautwurst

29.03.2020 - Livestream - Maria am Wasser Dresden

Diesen Sonntag sind Sie herzlich eingeladen, den Gottesdienst aus der Weinbergkirche "Maria am Wasser" in Dresden-Pillnitz als Teil der "Online-Gemeinde" von zu Hause aus mitzufeiern.

Predigt : OLKR Burkart Pilz
Liturgie: Pfrn. Dr. Maria Heinke-Probst

Die Kollekte wird an diesem Sonntag für die eigene Gemeinde gesammelt.
Falls Sie eine Spende geben wollen, freuen wir uns, wenn sie diese auf unser Kirchspielkonto überweisen.

Spendenkonto

Kontoinhaber: Kassenverwaltung Dresden
IBAN: DE06 3506 0190 1667 2090 28
BIC: GENODED1DKD
bei der LKG Sachsen, Bank für Kirche und Diakonie
Verwendungszweck: RT 1081 Kollekte 29.03.2020

28.03.2020 - Katechismus - Pfarrer Matthias Kunze

Wer im Gesangbuch den kleinen Katechismus Martin Luthers aufschlägt und die 10 Gebote liest, wird dort keinen Hinweis auf Bilder finden. Wer aber in 2. Mose 20 nachschlägt (wie Luther, als er seinen Kleinen Katechismus schrieb), der findet dort als 2. Gebot: „Du sollst dir kein Bildnis machen.“ – das sogenannte Bilderverbot. Wie kam Luther dazu, „so frei zu sein“, eines der 10 Gebote schlichtweg zu streichen – und dafür das letzte zu halbieren, damit es wieder 10 wurden?
Verständlich wird das nur, wenn man sich die Situation Luthers vor Augen führt. Luther erfährt, dass die von ihm angestoßene Reformation auch seltsame Blüten treibt. Radikale, extremistische Gruppen plündern und zerstören Kirchen, zerschlagen Statuen und vernichten Bilder. Sie berufen sich dabei nicht selten auf das Bilderverbot in 2. Mose 20. Luther streicht daher dieses Gebot, um zu verhindern, dass es missbraucht wird. Aus der Situation heraus verständlich – aber das 2. Gebot ist es wert, bedacht und beherzigt zu werden.
„Du sollst dir kein Bildnis machen.“ – das heißt zunächst: Von Gott sollst du dir kein Bild machen. Auch für uns Christen bleibt Gott Gott und damit letztlich unbegreiflich. Ja, in Jesus Christus hat Gott uns sein Gesicht gezeigt, aber er ist immer noch viel mehr. Gerade wir Christen vergessen das leicht. Gott ist kein Kumpel, Gott bleibt Gott.
„Du sollst dir kein Bildnis machen.“ – das heißt auch: Von keinem Menschen sollst du dir ein Bild machen. Nagele den anderen nicht auf seine Vergangenheit fest. Solange wir leben, gibt Gott uns die Chance, uns zu ändern. Sprechen wir uns diese Chance nicht gegenseitig ab.
„Du sollst dir kein Bildnis machen.“ – das heißt vor allem: Mache nichts und niemand zu einem Götterbild. Vergötze nichts und niemand. Gott allein ist Gott. An ihn allein hänge dein Herz.
Das 2. Gebot – es bleibt wichtig für uns. Spüren wir seiner Bedeutung nach, in unserem Leben.

Ihr Pfarrer
Matthias Kunze

27.03.2020 - In Gottes Namen - Pfarrer Eckehard Möller

Die Stimme der älteren Dame auf dem Anrufbeantworter war kaum zu verstehen. Tränen schienen ihr hörbar die Kehle zuzuschnüren. „Heute Abend sollen wir alle raus auf unsere Balkone gehen“, so konnte ich mir erschließen, „und gemeinsam ‚Der Mond ist aufgegangen‘ singen. Als Zeichen der Verbundenheit.“ Und dann kam noch dieser Nachsatz: „Ist das nicht alles schlimm? Das ist wie früher…“

„Früher“ – das dürften bei dieser Frau die Jahre nach dem Krieg gewesen sein, so habe ich überschlagen. Jene entbehrungsreichen Zeiten, als Kinder nicht verstanden, warum es Ausgangssperren gab; als es nichts zu essen gab; keinen Strom, nichts zum Heizen. Vor allem die Ratlosigkeit der eigenen Eltern, wann das vorbei sein würde, ob das überhaupt wieder vergehen könnte.

Bei vielen älteren Menschen brechen mit diesen Erinnerungen auch alte Traumata wieder auf. Damals hatte ja niemand Zeit, über seelische Nöte zu reden. Es ging nur ums Überleben. Mehr war nicht drin.

Vielleicht ist das ein entscheidender Unterschied zu unserer heutigen Lage unter Corona. Bei allem Verständnis für Parallelen. Aber ich erlebe, wie sich unsere Regale bereits wieder füllen: Was es in der vergangenen Woche nicht gab, ist meist wieder verfügbar. Leider verleitet das Schild „Bitte nur 2 Packungen nehmen“ viele dazu, tatsächlich zwei Packungen zu kaufen – obwohl sie nur eine gebraucht hätten – in jenem Zuhause, wo es Strom gibt für Licht und Herd, wo es trotz frostiger Temperaturen draußen jetzt drinnen wohlig warm ist.

Mit einer jungen Frau kam ich ins Gespräch über die Ängste und Erfahrungen der Alten. Fast ärgerlich entgegnete sie mir, dass alle über die Alten redeten, aber kaum jemand an die Erfahrungen der Jüngeren dächte. „Wir sind doch so etwas nicht gewöhnt! Wir sind doch immer verwöhnt worden. Wir können mit so einer Situation gar nicht umgehen!“, brach es aus ihr heraus. Aus meiner Sicht eine sehr interessante, bedenkenswerte Einschätzung.
Ich gehöre einer Zwischengeneration an. Krieg und Nachkriegszeit kenne ich nur aus Erzählungen. Aber Versorgungsengpässe sind mir gut bekannt. Stromausfälle ebenfalls. Und manchmal, im Hochsommer, gab es bei uns auf dem Land nur nachts Trinkwasser. Wir haben das ertragen, aber gelernt, damit umzugehen. Schön war es nicht. Aber wir haben uns darauf eingerichtet. Erinnerungen…

Am Abend standen wir nun auf den Balkonen. Tatsächlich waren etliche der verbindenden Idee eines gemeinsamen Liedes unter Ausgangssperre quer durch den Innenhof gefolgt. Einige trugen leuchtende Kerzen in den Händen. Jemand hatte bereits vorher auf seinem Instrument geübt und stimmte nun an. Viele sangen gemeinsam. „Der Mond ist aufgegangen“. Drei Strophen, wie das meist üblich ist. Für Deutschland schon ziemlich viel. Zum Schluss bedankte sich jemand von einem der Balkone bei allen fürs Mitmachen. Kurzer Applaus.

Auf einmal eine Stimme aus der Dunkelheit in den Hof hinein: „Sollten wir nicht noch die siebtente Strophe singen? Gerade in dieser Situation?“ Welche siebente Strophe, bemerkte man die Ratlosigkeit. Doch dann stimmte plötzlich wieder jemand an. Und die meisten sangen unter Begleitung des Hornbläsers mit:
So legt euch denn, ihr Brüder, / in Gottes Namen nieder; / kalt ist der Abendhauch. / Verschon uns, Gott, mit Strafen / und lass uns ruhig schlafen. / und unsern kranken Nachbarn auch.

Danke, dass jemand in diesem Hinterhof in die Nacht hinein auf diese Grundlage zurück verwiesen hat: In Gottes Namen. Amen

Eckehard Möller

26.03.2020 - Predigt Sonntag Lätare - Pfarrer Michael Schubert

Predigt Sonntag Lätare - St. Pauligemeinde

25.03.2020 - Achterbahn - Superintendent Albrecht Nollau

Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten
und von Herzen dir nachwandeln!

Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, /
wird es ihnen zum Quellgrund,/
und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern
und schauen den wahren Gott in Zion.

aus Psalm 84 (Wochenpsalm)

Liebe Gemeinde,

zu meinen Kindheitserinnerungen gehört eine Achterbahnfahrt mit meinem Großvater. Irgendwie wollte ich das mal ausprobieren und mein Großvater wollte wohl nicht kneifen. Mit einer Hand hielt ich mich am Haltebügel fest, mit der anderen am Ärmel meines Großvaters. Natürlich habe ich dann richtig Angst bekommen als der Wagen Fahrt aufnahm und mich regelrecht an meinem Großvater festgekrallt und gehofft, das die Fahrt schnell zu Ende geht. Losgelassen habe ich erst, als der Zug wieder stand. Gut, ich hatte mir die Situation selbst gesucht.

Was gerade in unserer Welt passiert ist eine Herausforderung, die sich kein Mensch gesucht hat. Die Krise versetzt uns erheblich in Unruhe und Angst. Für manche bedeutet sie Einsamkeit oder erzwungenen Stillstand, andere arbeiten an der Grenze ihrer Kraft. Manche genießen die Zeit zu Hause und mit ihrer Familie, bei anderen brechen im engen Miteinander Konflikte aus. Die Krise zerstört Leben und wirtschaftliche Existenzen und zugleich gibt es unter Menschen so viele Ideen um zu helfen und verbunden zu bleiben.

Für mich selbst sind gerade die zuversichtlichen Bilder und Texte unserer Bibel ein wichtiger Halt. Sie stärken mich. Sie beschreiben Gott als den, der mir Lebenskraft zur Verfügung stellt.

Hier im 84. Psalm begegnet mir das in einem sehr schönen Bild. Der Mensch der mit Gott verbunden und unterwegs ist, wird in einem dürren Tal eine Quelle finden. Ich stelle mir das gern sehr konkret vor, was es bedeutet, in einem trockenen Tal und unfruchtbaren Tal unterwegs zu sein eine Quelle zu entdecken und daraus trinken zu können und damit neue Kraft für das Leben zu gewinnen.

Wer mit Gott verbunden ist, wird nicht von allem verschont bleiben. Aber wenn er durch eine dürre Zeit gehen muss, dann wir er Kraft empfangen. Und am Ende spricht der, der diesen Psalm formuliert hat, regelrecht mit Begeisterung. Wer in Gott seinen Halt hat, der geht von einer Kraft zur anderen.

So überschwänglich kann ich es gerade noch nicht sprechen. Ich weiß ja auch noch nicht, wie lang der Weg durch das „dürre Tal“ noch sein wird. Aber ich weiß, der Psalm ist nicht leichtfertig geschrieben. Und er verpflichtet nicht dazu, so zu tun, als hätte man als glaubender Mensch alle Kraft der Welt.

Psalmen sind keine Lehrsätze, sie sind Dankgebete aus Erfahrung. Sie sind geschrieben um geteilt zu werden und Mut zu machen. So nehme ich sie für mich auf und lasse sie bei mir wirken.

Ich wünsche Ihnen Gottes Kraft in diesen Tagen. Bleiben Sie behütet.

Ihr
Albrecht Nollau

24.03.2020 - Weizenkorn - Pfarrerin Dorothee Fleischhack

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (Johannes 12,24)

Das ist der Wochenspruch für diese Woche, liebe Leserinnen und Leser. „Alleinsein“ und „Sterben“, das klingt schon unter normalen Umständen nicht angenehm für uns - wie sehr erst recht in diesen Tagen der zunehmenden Befürchtungen und Isolation! Das hören wir nicht gern.

Jesus hat vor seinem Tod in diesem Bild zu seinen Jüngerinnen und Jüngern geredet: Ein einzelnes Korn fällt in die Erde und erstirbt… Wir kennen diesen Ablauf, auch wenn wir ihn nur noch selten bewusst erleben: Das Korn wird ausgesät, in die Erde geworfen und muss sterben, um neu auszutreiben, zu wachsen, Früchte zu bringen; Mehl, Sauerteig und Brot zu werden. Anders geht es nicht. Ohne diesen Prozess gibt es kein neues Korn, keine Früchte und auch kein Brot.

Jesus meint: Das gilt auch für uns. Früchte unseres Lebens, unserer Arbeit, unseres Glaubens wachsen nur, wenn wir uns auch auf das „Ersterben“ einlassen. Was ist damit gemeint?
Es gibt Zeiten in unserem Leben, in denen wir leiden; es gibt Momente, wo wir das Gefühl haben, dass in uns etwas stirbt – bei einer großen Enttäuschung, wenn uns ein Mensch verlorengeht. Das kann sein wie ein kleiner (oder größerer) Tod in uns. Solches und anderes Leid gehört aber auch zu unserem Leben. Obwohl es nicht schön ist und wir dem lieber ausweichen möchten, lässt sich nicht alles Schwere in unserem Leben umgehen. Das wissen wir alle. Manches Schwere können wir nur aushalten, vielleicht versuchen anzunehmen. Und dabei geht es nicht um das vermeidbare oder sinn-lose Leid, dem Menschen ausgesetzt sind. Dagegen sollen wir tun, was immer möglich ist. Das Korn, das erstirbt, bringt auch nur dann Frucht, wenn es in die Erde fällt und nicht auf den Weg, wo es einfach zertreten wird. Das Leiden unter einer Situation, oder unter anderen Menschen, die uns das Leben schwermachen - das können und sollen wir versuchen zu ändern, um z.B. besser miteinander auszukommen. Manchmal gelingt das. Wo wir unter den Zuständen in unserer Welt, unserer Gesellschaft, unserer Kirche leiden, und wo wir das Leid anderer sehen – da müssen wir zur Veränderung tun, was immer uns möglich ist. Doch manchmal sind wir da auch hilflos. Und manchmal leiden wir unter uns selber... Aktuell leiden immer mehr unter uns unter Isolation, Einsamkeit, Überlastung, Ängsten…

Leiden kann uns vorkommen wie „tote Zeit“ in unserem Leben. Kann daraus Neues entstehen? Können daraus Früchte wachsen?

Lernen wir in diesen Tagen und Wochen vielleicht manches auch zu schätzen, was uns sonst selbstverständlich erscheint, oder was uns sonst sogar manchmal nervt? Menschen…, Termine... Ich mache in meinem Umfeld gerade die Erfahrung, dass Menschen plötzlich einen Gruß erwidern oder miteinander ins Gespräch kommen, die das bisher nicht wollten.
Können wir dankbar werden - für unser Leben, unsere Gesundheit, die privilegierten Verhältnisse, in denen wir leben, die vielen technischen Möglichkeiten, die wir haben, die Freiräume, die uns bleiben?

Die Passionszeit, die Leidenszeit Jesu sieht aus wie dürre oder gar tote Zeit. Leiden bis hin zum gewaltsamen Tod am Kreuz… Doch Jesus sieht es wie das Sterben des Weizenkorns. Aus seinem Tod wächst eine Frucht, die Frucht neuen Lebens. Sie wächst erst einmal unscheinbar und nicht alle können sie wahrnehmen. Doch sie kommt ans Licht, ist nicht aufzuhalten, breitet sich aus. Das neue Leben ist nicht mehr „totzukriegen“.

Auch unsere Zeit jetzt ist Zeit zum Leben und Zeit, in der und aus der Neues entstehen kann und Früchte wachsen können. Lassen Sie uns in dieser Zeit jetzt tun - und unterlassen -, was wir können, um Leid zu vermeiden. Lassen Sie uns Ausschau halten nach Gründen zur Dankbarkeit und Zuversicht. Lassen Sie uns die mit andern teilen und füreinander da sein und Früchte bringen. Lassen Sie uns darauf vertrauen, dass Gott neues Leben schenken wird!

Pfarrerin Dorothee Fleischhack

23.03.2020 - Credo - Pfarrer Matthias Kunze

In jedem Gottesdienst sprechen wir das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Credo. Schon der Aufbau macht deutlich, worum es im Kern unseres Glaubens geht:
Um Gott den Vater, um Jesus Christus, und um den Heiligen Geist. Der mittlere Teil, das Bekenntnis zu Jesus Christus, ist der umfangreichste.

Auch das, was über Jesus Christus ausgesagt wird (und was nicht gesagt wird) ist aufschlussreich: Viermal, in unterschiedlichen Bildern, wird bekannt, dass in diesem Jesus uns Gott begegnet. Er ist der “Christus” = Messisas, der “einzige Sohn” und zweimal wird seine übernatürliche Geburt betont. Die Botschaft ist immer die gleiche: In diesem Jesus begegnet dir Gott! Die unterschiedlichen Bilder sollten unterschiedliche Zielgruppen ansprechen.

Das Leben Jesu fehlt im Credo. Nach der Geburt kommt sein Leiden und Sterben. Pilatus wird erwähnt, weil unser Glaube keine Philosophie ist, sondern wir an ein einmaliges Handeln Gottes zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort glauben.
Wie die Gottessohnschaft Jesu, wird auch sein Tod viermal betont (gekreuzigt, gestorben, begraben, hinabgestiegen). Und auf diesem Hintergrund wird der Kern unseres christlichen Glaubens bekannt: Am dritten Tage auferstanden von den Toten!

Es ist kein Zufall, dass dieser Satz genau in der Mitte des Credos steht. Dieser Satz ist die Mitte, auch die Mitte unseres Glaubens. Und wir dürfen hinzufügen: Für mich, für uns ist er auferstanden.

Die Vorstellungen und Bilder, die wir mit den einzelnen Aussagen des Credos verbinden, sind und bleiben sehr unterschiedlich. Und das darf so sein. Der Punkt, der uns heute untereinander und auch mit den ersten Christen verbindet, ist dieser Satz: “Am dritten Tage auferstanden von den Toten!” – Für uns! Gott sei Dank!

Ihr Pfarrer Matthias Kunze

20.03.2020 - Fasten in Zeiten von Corona (Mt 6,16-18) - Pfarrer Eckehard Möller

„Und, was fastest Du?“ Diese Frage war in letzter Zeit öfters zu hören. Und dann wurde erzählt, Erfahrungen ausgetauscht. Über den Verzicht auf Schokolade. Oder Alkohol. Oder Nikotin. Oder all das zusammen.

Und es wird auch berichtet von den peinlichen Situationen. Wenn man z.B. zu Besuch war. Und der Gastgeber ein Glas Wein anbot. „Nein danke, ich faste gerade“. Hochachtung bei den einen, Unverständnis bei anderen. Die Reaktionen sind unterschiedlich.

Aber als Fastende*r komme ich da an gewisse Grenzen. Hatte Jesus nicht gesagt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.“ (Mt 6 16)

Breche ich also mein Fasten, wenn ich zu Besuch bin, damit mein Gegenüber nichts mitbekommt davon, wie ernst mir mein Fasten ist? Trinke ich also das Glas Wein mit?

„Na, dann wirkt es ja nicht“, bekomme ich entgegnet. Beim Fasten müsse man schon mal über eine gewisse Zeit auf etwas verzichten, damit es körperlich wirksam wird. Fasten also eher für den Körper? Für meine Gesundheit? Eine Art Wellness? Eine Übung meiner Tüchtigkeit? Eine seelische Probe, ob ich stark genug bin durchzuhalten?

Fasten im christlichen Sinne war wohl anders gemeint. Verzicht – ja. Aber um mich innerlich dadurch auf Anderes einzustellen, konzentrieren zu können. Auf mein Verhältnis zu Gott. Wie läuft es da so, zwischen IHM und mir? Bin ich mir dessen bewusst? Und ist die Fastenzeit nicht eine wunderbare Gelegenheit, mich darauf zurückzubesinnen?

Auf einmal nun redet kaum noch jemand übers Fasten. Das allgegenwärtige Thema heißt „Corona“. Und zwingt uns zunehmend zu Verzicht. Nicht freiwillig, sondern von außen. Bestenfalls noch von uns mit dem Verstand zu erfassen. Viele halten sich trotzdem nicht an empfohlene Regeln, halten sie für überzogen, gar Panikmache. Inzwischen greifen Verantwortliche zu immer drastischeren Maßnahmen. Erst waren alle Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen untersagt. Dann wurden Schulen und Kindergärten geschlossen. Und in den Stunden, in denen ich diese Zeilen schreibe, wird eine allgemeine Ausgangssperre diskutiert.

Corona in der Fastenzeit. Fasten in Zeiten von Corona. Auf einmal müssen wir auf ganz viel verzichten. Und es geht. Auf einmal entdecken wir, dass sich ganz neue Blickwinkel auf unsere Leben ergeben. Auch darauf, wie gut es uns geht. Allen Hamstereinkäufen zum Trotz. Und wir entdecken zaghaft, was wirklich wichtig ist. In unseren Beziehungen. In unseren Familien. In unserem Leben.

Gern wird geredet und geschrieben von „Krisen als Chancen“. So weit will ich derzeit noch nicht gehen. Wir wissen noch lange nicht, was kommen wird, was uns wirklich bevorsteht. Aber Corona in der Fastenzeit – mit all jenen plötzlichen Beschränkungen und Einschränkungen – schafft uns ungewollte, unverhoffte Freiräume. Freiräume, die uns zum Denken zwingen. Vielleicht sogar an manchen Stellen zum Umdenken. Und hoffentlich auch zum Bedenken unseres Verhältnisses zu Gott: Was hat all das mit Gott zu tun? Was haben wir in dieser Situation mit Gott zu tun? Wie stehen wir zu ihm? Was erhoffen wir von ihm, oder erwarten es sogar? Wo rechnen wir mit seiner Hilfe? Wo vertrauen wir auf ihn? Wo entdecken wir seinen Auftrag zum Handeln?

Noch wissen wir nicht, was Corona alles mit sich bringen wird. Aber eine Zäsur in unserem Leben ist diese Zeit auf jeden Fall. Begegnen wir den Herausforderungen mit dem nötigen Gottvertrauen.

Lasst uns daher in einer Fastenzeit unter Corona handeln, wie Jesus es empfohlen hat: „wasche dein Gesicht, / damit die Leute nicht merken, dass du fastest.“ Das entspräche ganz dem Bild aus der Bergpredigt im 5. Kapitel: „Ihr seid das Licht der Welt. … So soll euer Licht vor den Menschen leuchten“ (Mt 5 14+16).

Das ist es, was andere in dieser Krise von uns erwarten dürfen: Zuversicht ausstrahlen. Auch und gerade beim Fasten und unter Corona. Amen

Eckehard Möller, Pfarrer.

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